taufkerze

Lange Jahre lag sie ganz hinten im Schrank meiner Eltern, gut versteckt und kühl, wohlgeschützt durch einen stabilen Karton - meine Taufkerze.

Nur selten werden diese Kerzen entzündet, sollen sie doch ein ganzes Leben lang halten. Erstmals brennt sie bei der Taufe. Ihr Licht empfängt sie von der Osterkerze, die während der Zeit im Jahreskreis neben dem Taufbrunnen leuchtet. Von ihr erhält die Taufkerze auch ihre Bedeutung. Sie empfängt vom Licht Christi (Lumen Christi der Osternacht) ihr Licht - so wie der Getaufte Gottes Geist empfängt.

Die Osterkerze wurde in der Feier der Osternacht am Osterfeuer entzündet, also in der Nacht, in der wir die Auferstehung Jesu gefeiert haben, in der Nacht, die der bevorzugte Tauftermin der Kirche in allen Jahrtausenden war. Die Entzündung der Taufkerze an der Osterkerze hat ihre tiefe Bedeutung: Wer getauft ist, lebt in der Gewissheit, dass auch ihm ein ewiges Leben geschenkt ist. Taufe bedeutet daher Anteil am ewigen Leben.

Die Taufkerze drückt ebenfalls aus, daß Christus das Licht des Lebens für den Täufling sein möge. Wie das Licht der Kerze die Umgebung erhellt, so soll Christus das Leben des Getauften erhellen und leiten. Das bezieht sich auf das Christuswort: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben."

Auf dieses Bibelwort bezieht sich auch die evangelische Kirche, die zur Zeit das alte Symbol der Taufkerze auch für ihre Taufgottesdienste wieder entdeckt. Es ist ein schönes Zeichen, wenn die Kerze (am besten sogar selber gestaltet) dem Täufling von den Paten geschenkt wird, die ja die Aufgabe haben, die Täuflinge mit Christus, dem Licht der Welt und des Lebens bekannt zu machen. Der Täufling selbst soll sich von Christus, dem Licht der Welt, leiten lassen und auch selber für andere zum Licht zu werden.

Kerzen waren in der Liturgie der Kirchen und auch schon in den Kulten der jüdischen und heidnischen Religion mehr als nur Lichtspender. Sie waren ein Gleichnis für das Leben der Menschen, das als Weg aus dem Dunkel in das Licht Gottes begriffen wurde. In Licht verwandeltes Wachs ist ein Gleichnis für die Auferstehung, die eine Verwandlung des Lebens bedeutet, vom irdischen zum Leben im Glanze Gottes.

Die Taufkerze begleitet uns (im Idealfall) durch das ganze Leben. Sie wird an wichtigen Wendepunkten neu entzündet; bei der Erstkommunion, bei der Firmung und bei der Hochzeit. Daher tauchen neben Taufsymbolen oft Symbole anderer Sakramente darauf auf.

Schließlich brennt sie auch bei der letzten Wende in unserem Leben, an unserem Sarg an dem Tag, an dem wir in die ewige Herrlichkeit Gottes eingehen. „Und das ewige Licht leuchte ihnen!“, der Gebetswunsch eines bekannten Totengebetes wird darin sichtbar.