narr

Wenn in diesen Tagen Karl Kardinal Lehmann in Aachen den «Orden wider den tierischen Ernst» empfangen durfte, ist das nicht nur für den Erzbischof von Mainz eine Ehre, sondern für die katholische Kirche ein schönes Zeichen. Denn das bedeutet, dass selbst ein hoher Kirchenmann offensichtlich Klugheit, Witz und Fröhlichkeit ausstrahlt. So gelang es dem Mainzer Kardinal denn auch mühelos, die Sympathien des bunt zusammengewürfelten Publikums zu gewinnen – mit hintergründigem Witz und einer gewissen Nachdenklichkeit, die beweisen, dass richtig gefeierter Karneval nicht nur Lebensfreude schenkt, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Wenn wir als Christen nur mit ernstem Gesicht herumliefen und Trübsal blasen würden, wären wir wirklich traurige Christen. Schöne Gedanken hierzu stecken in einem Text, der dem Hl. Thomas Morus zugeschrieben wird. Sie finden das Gebet im Gotteslob, Nr. 8,3. Neben eigenem Humor brauchen wir auch echte Narren, wie der folgende Text zeigt: narr

Auf Narren könn’n wir nicht verzichten.
Sie müssen klar die Zeiten sichten.
Sie müssen mit dem Finger zeigen
Auf das, was viele wolln verschweigen,
und sagen, dass auf Sand gebaut
manch Haus, auf das ein jeder schaut.
Ja, Narren, brauchts zu dieser Stunde,
da Frust und Ärger macht die Runde,
da sich erklärn die Heilspropheten,
als ob nur sie die Lösung hätten.
Ja, Narren braucht’s heut überall,
nicht nur am heil’gen Karneval.
Sie müssen wider allen Schein
Stets sagen: Es könnt anders sein.
Es könnt, was wir heut unten sehen,
doch auch einmal ganz oben stehen,
und schön wär’s wenn mal die erhoben,
die bisher an den Rand geschoben,
wenn deren Suppe mal gewürzt,
den’n man den Löffel stets gekürzt,
und die mal wirklich habn das Sagen,
die sonst nur still die Balken tragen.
Die Narren wenigstens müssen wagen,
dies laut vor aller Welt zu sagen.
Sie müssen sagen, was gewesen
Und wer für alle zahlt die Spesen.

Die Narren haben eine wichtige Funktion. Es ist sehr zu bedauern, dass es keine Hofnarren mehr gibt, die die Mächtigen der damaligen Zeit in witziger Form kritisieren konnten. Dieses Hofnarrenamt konnte funktionieren, weil es der damit verbundene Witz und Humor erlaubte, Dinge so zu sagen, dass sich niemand blossgestellt fühlen musste.

Ich hoffe, dass die fasnächtlichen Tage uns allen Humor schenken und zu mehr Lebensfreude inspirieren. Dafür brauchen wir einen Sinn für das Fröhliche, Witzige, Schräge und Quere. Und vielleicht merken wir dann, dass manchmal das «Normale» eigentlich «närrisch» ist, dass «Närrische» aber «normal». Unsere Nächsten werden es sicher zu danken wissen, wenn uns in diesen Tagen Schalk und Humor aus den Augen leuchtet.