der sonntag

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich: Wenn ich eine mit Arbeit und Aktivitäten eng gefüllte Woche hinter mir habe freue ich mich besonders auf die Ruhe am Sonntag. Dabei ist es mir wichtig geworden diesen Tag mit der Hl. Messe zu beginnen und ansonsten von Aktivitaten und Arbeit frei zu halten. So spürt man erst wieder, was für ein Geschenk der Sonntag als Ruhetag ist.

Viele Jahrhunderte lang war der Sonntag der einzige Urlaub, den arbeitende Menschen kannten und ich glaube, der gute alte Sonntag ist auch heute noch ganz aktuell, weil uns dieser Rhythmus von Arbeit und Ruhe, von Anstrengung und Erholung gut tut.

Die Wurzeln des Sonntags gehen zurück in biblische Zeiten. Da heißt es: „Gedenke des Sabbats. Halte ihn heilig. Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun ." Dafür werden in der Bibel zwei Gründe genannt. Der erste weist auf Gott hin, der nach der Erschaffung der Welt "am siebten Tag ruhte und sah, dass alles sehr gut" war. Deshalb soll auch der Mensch an diesem Tag ruhen. Er darf sich freimachen von den Mühen und Sorgen des Alltags und sich über Gottes Welt und die guten Gaben seiner Schöpfung freuen. Er kann Abstand vom Werktag gewinnen und dann wieder mit neuer Kraft, mit Bedacht und Gelassenheit an seine Arbeit gehen.

Aber auch noch ein zweiter Grund wird genannt: "Dein Knecht und deine Magd sollen sich ausruhen wie du." Man könnte sagen, dieses biblische Gebot war die erste Freizeitgesetzgebung der Geschichte. Überall, wo es befolgt wurde, verschaffte es abhängig arbeitenden Menschen jede Woche einen freien Tag, lange bevor es Gewerkschaften und Tarifverträge gab.

Das frühe Christentum hat den biblischen Sabbat weitgehend übernommen und dabei den wöchentlichen Feiertag auf den Sonntag verlegt, zum Gedenken an die Auferstehung Christi. Der Sonntag wurde für die Gläubigen zum Tag des gemeinsamen Gottesdienstes, da er auch der Tag der Auferstehung Christi war.

Der arbeitsfreie Sonntag ist längst in den meisten Ländern der Welt verbreitet, sogar in Ländern, die wenig oder gar nicht christlich geprägt sind. Der Sonntag ist freilich auch gefährdet - durch kommerzielle Interessen, z. B. immer mehr verkaufsoffene Sonntage und Sonntagsarbeit in immer mehr Berufen - oder durch stressige Freizeitgewohnheiten. Das führt auch dazu, daß es in vielen Familien immer schwerer wird diesen Tag als Familientag gemeinsam zu begehen.

Als Christen sollten wir den Sonntag als Kulturgut schätzen und alles tun, damit uns dieses wahrhaftige Gottesgeschenk erhalten bleibt. Es steckt viel Wahrheit in dem Satz: „Wenn es keinen Sonntag mehr gibt, dann gibt es nur noch Werktage.“ Durch viele Jahrhunderte hat der Rhythmus von sechs Arbeitstagen und einem Ruhetag den Ablauf der Zeit strukturiert und dem Leben Halt und Orientierung gegeben. Es lohnt sich den Sonntag bewußt zu feiern, als Tag der Ruhe und Besinnung, des Gottesdienstes und des Gebetes und der Arbeits- und Freizeitruhe - auch wenn noch so viel zu tun oder zu erleben wäre. Wer sich bewußt auf diesen Rhythmus einläßt wird erleben, welch hohen Preis wir zahlen, wenn der Sonntag quasi zu einem Werktag unter andern verkommt.