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Was ist das da in der Kirche? - Heute ist diese Frage eigentlich falsch gestellt, denn es geht um etwas
das man gar nicht sehen kann, jedenfalls nicht mit den Augen im Kopf; vielleicht mit den Augen des Herzens.
„Zieh deine Schuhe aus! Denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger
Boden.“ - auf diese Art und Weise zeigt Mose im Buch Exodus angesichts des brennenden Dornbusches seine Ehrfurcht vor der Anwesenheit Gottes. Viele von uns gehen auch mit einem solchen Bewußtsein
in die Kirche. Der Kirchenraum ist keine Halle und kein Saal, er ist „heiliger Boden“ und unwillkürlich verhält man sich entsprechend, spricht leise, verneigt sich vor der Nähe Gottes.
In katholischen Kirchen hat diese Anwesenheit Gottes ein Zentrum, eine Mitte; es ist der
Tabernakel. Das bedeutet nicht, daß Gott nicht in der ganzen Kirche gegenwärtig, manchmal sogar spürbar ist. Aber im Tabernakel bewahren wir mit Ehrfurcht die eucharistischen Gaben, die bei der letzten
Sonntagsmesse übrig geblieben sind. Wir bewahren sie zur Anbetung, für die Krankenkommunion und für Kommunionfeiern. Gott, Jesus Christus ist im eucharistischen Brot bleibend gegenwärtig. Wer davon
empfängt, hat Teil an dem einen Fest- und Opfermahl des Herrn. Gottes Gegenwart wohnt - so kann man es sagen - im Tabernakel.
Das Wort Tabernakel deutet es schon an, denn es bedeutet soviel wie „Zelt Gottes“ und erinnert an das
heilige Zelt, in dem die Israeliten die Tafeln mit den göttlichen Geboten bewahrten. Für sie war diese
Bundeslade das Zentrum, der Ort, an dem Gottes Anwesenheit spürbar (und manchmal sogar sichtbar) war.
Wie vor dem Tabernakel brannte auch in diesem Zelt - und später im Tempel - ein ewiges Licht. Nach der
Zerstörung des Tempels stellte man in allen Synagogen ein ewiges Licht vor dem Schrein mit den Tora-Rollen
auf. Hier ist für die Juden Gott selbst gegenwärtig, so wie er es für uns Katholiken im eucharistischen Brot ist.
Gottes Gegenwart erfahren wir allerdings auch - wie die Juden - in der Heiligen Schrift des Alten und des Neuen
Bundes. Daher wird im Gottesdienst auch das Evangeliar, die Bibel besonders verehrt.
Wir können im Glauben erfahren, daß Gott unsere Nähe sucht, daß er nicht weit entfernt von uns in ewiger
Unveränderlichkeit im Himmel thront, sondern uns sehr nahe sein kann. „Schechina" nennen die Juden diese
Gegenwart und Nähe Gottes. „Schechina“ heißt soviel wie Nähe, Nächster sein, im Augenkontakt stehen,
jederzeit ansprechbar sein. „Schechina" bedeutet aber auch Treue, von Gott angesehen werden und Vergebung erfahren.
In der Bibel ist diese Anwesenheit Gottes oft als Feuer, Licht, als überirdischer Glanz beschrieben. Das ist ein
Grund dafür, daß unser Tabernakel von innen mit Gold ausgelegt ist - ein Spiegel des himmlischen Glanzes.
Gott selbst bleibt unbegreifbar. Was wir erleben können ist nur wie ein (manchmal sehr schwacher)
Widerschein der größeren Herrlichkeit Gottes. Manchmal erfahren wir im Gebet; in der Kirche, vor dem
Tabernakel, beim Empfang oder der Anbetung Christi im Angesicht der (in der Monstranz bewahrten) Hostie -
diese göttliche Nähe und spüren seine Gegenwart tief in uns. Trotzdem fällt es schwer, anderen Menschen zu
erklären, was da in uns geschieht, wie und wo wir Gott begegnen, warum wir gewiß sind, daß er im Himmel auf uns wartet.
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