prozessionskreuz

Jesus sagte: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ So einfach kann das Christentum in einem Satz zusammengefaßt werden. Christsein heißt Nachfolge; in Jesu Spuren gehen, so leben wie er - aus der Liebe Gottes.

Auf dieses Wort des Herrn geht der Brauch zurück, bei Prozessionen oder beim Ein- und Auszug in die Kirche ein sogenanntes Prozessionskreuz (auch Vortragekreuz genannt) voranzutragen.

Auch die Fußpilger, die jährlich nach Kevelaer gehen, tragen ein solches Kreuz mit: Jesus geht uns voraus und in seiner Auferstehung ist er schon an dem Ziel angekommen, auf das auch wir zugehen. Auf dem über vierzig Kilometer langen Weg kann man körperlich gut spüren, wie schwer es ist auch nur ein kleines Kreuz „auf sich zu nehmen.“

 Das Kreuz, das wir bei Prozessionen mitführen zeigt auch, daß er den Weg zum Ziel weiterhin mit uns geht, er ist mitten unter uns, Weg, Wegzehrung und Ziel zugleich. Der Engel an Jesu Grab sagt: Jesus ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ In der Tat haben ihn die Jünger gesehen und glaubten an seine Auferstehung.

Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Prozessionskreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit man den Gekreuzigten vor Augen hat. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, er weist uns dann den Weg. In vielen Gemeinden gibt es unterschiedliche Vortragekreuze.

So wird normalerweise eines bei Beerdigungen mitgeführt: „Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen.“ Dieses Wort wird bei einer Beerdigung dadurch deutlicher. Der Leiter der Beerdigung spricht die Worte „Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab.“

Wir haben in St. Marien u.a. ein besonders schön verziertes Kreuz. Es zeigt einen kleinen, sehr einfachen, silbernen Corpus auf rot emailliertem Hintergrund. Die rote Farbe korrespondiert mit unserem Ambo. Das Kreuz ist auf den Fotos vom Bergmannsgottesdienst in der neu renovierten Marienkirche 1967 erstmals zu sehen. Es stammt wie vieles in St. Marien aus der Werkstatt Polders in Kevelaer. Von hinten ist das Kreuz mit einem großen Bergkristall geschmückt.

Da nicht zu jedem Gottesdienst ein Vortragekreuz benutzt wird, liegt normalerweise ein kleines Kreuz auf dem Altar. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6./7. Jahrhundert; aus der Zeit der Romanik sind besonders viele erhalten.