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Immer wieder hatte ich einen Grundriß oder
Baupläne unserer Kirche gesucht, aber außer Teilplänen für Umbauten war nichts zu finden.
Jetzt entdeckte ich zufällig einen vergilbten Grundrißplan unserer Kirche aus dem Jahre 1930.
Eine Stunde Feinarbeit im Computer machten daraus diesen aktualisierten Grundriß von St. Marien.
Auffällig ist der große Freiraum, der für den Umgang rund um die Kirchenbänke gelassen
wurde. Dieser Umgang ist als Prozessionsweg vorgesehen.
Wie schön diese Möglichkeit genutzt werden kann, zeigt sich zur Lichterprozession am Fest
„Darstellung des Herrn“ (2. Februar).
Eigentlich ist eine Prozession ein Pilgerweg. Neben den langen Pilgerwegen der Wallfahrten gibt es die kürzeren Prozessionen und auch das letzte
Wegstück mancher Wallfahrt (z.B. unserer Kevelaer-Wallfahrt) bekommt die Gestalt einer Prozession.
Menschen gehen gemeinsam von einem Ort zum anderen, einem Ziel
entgegen. Bei einer Prozession geht man nicht eilig und auch nicht schleppend sondern im gelassenen „Schreiten“.
Pilgerfahrten und Prozessionen haben noch ein weiteres gemeinsam: Es sind Wege, die keinen Zweck erfüllen.
Man geht allein, um Gott nahe zu sein, um IHM und anderen Gläubigen als
erlebbare Gemeinschaft unterwegs zu sein.
Hier wird ganz intensiv deutlich, was auch im Leben spürbar werden kann, daß ich meinen Lebensweg in der
Gemeinschaft der Christen gehe - auf ein Ziel hin, nämlich das Leben in der ewigen Freude Gottes.
Und ich darf sicher sein, daß er mich auf diesem Weg geleitet und begleitet.
Feierliche Umzüge gab es schon im Kult der Antike. In Jerusalem wurde es mit dem Christentum zum Brauch, am Palmsonntag den
Einzug Jesu in die Stadt Jahr für Jahr feierlich nachzuvollziehen.
Daraus entwickelte sich die Palmprozession, die wir in St. Marien ja
auch kennen und die in der ganzen Welt am Palmsonntag gegangen wird.
Zur „Prozession aller Prozessionen“ wurde die Fronleichnamsprozession, wo es erlebbar wird, daß der Herr - anwesend unter der Gestalt
des Brotes - alle Wege mit uns geht. Wir tragen die Monstranz mit dem gewandelten Brot durch die Straßen, in denen wir leben.
Oft wird bei Prozessionen und Pilgerwegen auch das Kreuz
vorangetragen: Wir folgen der Lebensspur Jesu. In seiner Auferstehung ist er schon ans Ziel vorausgegangen und zugleich geht er immer noch mit auf dem Weg. Er ist Weg, Wegzehrung und Ziel.
Ursprünglich heidnischen Ursprungs sind dagegen die
Bittprozessionen, bei denen man um göttlichen Segen für Felder und Ernte bittet.
Besonders eindrucksvoll sind die abendlichen Lichterprozessionen
in manchen Marienwallfahrtsorten.
Die schlichteste Form der Prozession ist der Einzug der Messdiener,
Lektoren, Kommunionhelfer und des Pastors in die Kirche und der Gabengang der Messdiener. Feierlicher wird es, wenn große Feste zu feiern sind und der Gottesdienst mit einem großen
Prozessionseinzug beginnt. Besonders feierlich fallen diese Prozessionen in der Hl. Messe in der „Göttlichen Liturgie“ der Ostkirche aus.
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