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Nur ganz wenige Ausstattungsstücke unserer Kirche sind wirklich wertvoll.
Vielleicht ist ihr Wert der Grund dafür, warum unsere kostbare Monstranz immer gut verborgen in einem Tresor liegt und nur an Fronleichnam für die ganze Gemeinde sichtbar ist.
Eine Monstranz vom lateinischen Wort „monstrare“ = „zeigen“
ist ein Schau- oder Zeigegefäß.
Die Eucharistiefrömmigkeit vergangener Jahrhunderte, als man den Leib des
Herrn häufiger anbetete, als im Gottesdienst in der Kommunion empfing, ist heute fast ganz verschwunden.
Jesus Christus begegnet uns Christen zunächst in der Eucharistiefeier. Hier
ist aber oft wenig Gelegenheit in Stille über das Geheimnis der Eucharistie nachzudenken und zu beten. So kann die Anbetung Christi unter dem
Zeichen des gewandelten Brotes unser Verstehen für seine Anwesenheit im Heiligen Mahl vertiefen.
Es kommt auf das kleine, unscheinbare Stück Brot an, nicht auf den Schmuck
der Monstranz. Wer das richtig versteht, kann auch die Monstranz wieder richtig verstehen, denn der kostbare Rahmen für das Brot weist auf die
Bedeutung Jesu hin. Der strahlende, goldene Kranz um die Hostie erinnert an Christus, die Sonne der Gerechtigkeit.
Unsere Monstranz wurde unserer Gemeinde zum ersten Gottesdienst im
Jahre 1916 von einem Gemeindemitglied geschenkt. Sie besteht aus vergoldetem Silber und ist über 70 cm hoch. Der Goldschmied, der die Monstranz im Jahre 1981 restaurierte, vermutete eine spanische
Goldschmiedearbeit. Da nirgendwo Werkzeichen zu entdecken sind, wird der Künstler nicht mehr zu ermitteln sein.
Eduard Schürmann, ein Frankfurter Goldschmied, hat für den Trierer
Domschatz eine in den Formen sehr ähnliche Monstranz geschaffen, so daß unsere Monstranz auch aus Frankfurt stammen könnte.
Um das sogenannte "Luna-Haus", die Stelle, wo das heilige Brot eingesetzt wird, ist der lateinische Spruch „ecce
panis angelorum factus cibus viatorum“ in Grubenschmelztechnik angebracht. Er stammt aus der Sequenz des Fronleichnamsfestes und wird im Gotteslob (Nr. 997) so übersetzt: „Seht, dies ist der Engel Speise,
heilges Brot, das auf der Reise nur die Gotteskinder nährt."
Da die Monstranz sehr schwer ist, wurde für die
Fronleichnamsprozessionen im Jahre 1950 eine kleinere angeschafft. Sie gehörte Pfarrer Nienhaus, der sie schließlich den Steyler Missionaren schenkte.
Pastor Polders kaufte eine weitere Monstranz in der
Form eines Schiffes. Die Symbolik verwies auf den Glaubensweg der Christen und auf das Kirchenbild in dem Lied: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt..."
Auch diese Monstranz wurde verschenkt, und wir nutzen heute wieder die wunderschöne neogotische Monstranz.
Vielleicht haben Sie an einem Fronleichnamstag die Gelegenheit genutzt, unsere Monstranz zu betrachten. Ich
will sie heute ausführlich beschreiben. Die Inschrift um das sogenannte „Luna-Haus", da, wo die gewandelte Hostie eingesetzt wird, lautet „ecce panis angelorum factus cibus viatorum“
und verweist auf das Lied-Nr.: 997 im Gotteslob „Deinem Heiland, deinem Lehrer...“
Hierin wird sehr schön das Geheimnis der Eucharistie besungen, wenn auch manche der alten Bilder für uns heute schwer zugänglich sind.
Die zweite Strophe beschreibt, wozu die Monstranz dient, nämlich um das
gewandelte Brot, Christus selbst zu erheben und den Gläubigen zu zeigen. Die elfte Strophe hebt an mit dem Vers: „Seht, dies ist der Engel Speise...“
die Übersetzung des oben zitierten lateinischen Wortes - entsprechend finden sich auf der Monstranz vier emaillierte Bilder, die musizierende Engel
darstellen (mit Handorgel, Posaune, Triangel und Geige).
Bekrönt wird die Monstranz, die mit zahlreichen Edelsteinen geschmückt ist,
von fünf kleinen Türmchen. Auf den drei mittleren erhebt sich eine Kreuzigungsgruppe, Jesus flankiert von seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes. Alle Figuren sind sehr schön aus Silber gearbeitet.
Auf den ersten Blick scheint die Monstranz neogotische Formen aufzunehmen
, allerdings hat der Künstler eher romanische Stilelemente genutzt, besonders in der Grundgestalt der Monstranz und in Details an den
Türmchen, die an große romanische Basiliken erinnern. Daher würde ich den Stil der Monstranz eher als „neoromanisch“ umschreiben.
Auf dem Fuß finden sich vier Szenen aus dem alten Testament. Zunächst die Geschichte von der „Opferung Isaaks" durch Abraham. Darin
wird eine Beziehung zum Opfertod Christi hergestellt und Jesu Tod als Opfer gedeutet.

Dann wird Melchisedek, der Priesterkönig von Salern, abgebildet, der als Vorbild für das
Hohenpriestertum Jesu gilt (vgl. 4. Str.), da er Abraham mit Brot und Wein entgegenzieht, als dieser die feindlichen Könige besiegt hatte.
Eine weiteres Bild zeigt die kupferne (eheme) Schlange, mit der Mose die Israeliten während der Wünstenwanderung vor dem Tod durch das Gift von Schlangen
errettet. Für den Evangehsten Johannes ist diese Schlange das Urbild des gekreuzigten Christus, zu dem wir aufschauen, um gerettet zu werden.
Auf dem vierten Bild ist das Manna in der Wüste zu sehen, das Brot vom Himmel, mit dem Gott die Israeliten speiste, so wie es im Tantum ergo auch von der
Eucharistie heißt: „Brot vom Himmel hast Du ihnen gegeben. - Das alle Erquickung in sich birgt."
Mehr Informationen zum Fronleichnamstag finden Sie hier...
Anläßlich der Anbetungsstunde am vergangenen Freitag kam ich ins Grübeln: Wie passt es eigentlich
zusammen, dass un sere Kirche noch weihnachtlich geschmückt ist, das Kirchenjahr jedoch schon längst weiter fortgeschritten ist?
Wie passt es zusammen, den eucharistischen Christus in der
Monstranz auf dem Altar zu verehren und den Blick dabei über die Krippenszene der anbetenden Könige mit ihren Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe schweifen zu lassen.
In einem Lied des Friedrich von Spee werden diese Gaben gedeutet:
„Durch Weihrauch stellten fromm sie dar, daß dieses Kind Gott selber war; die Myrrh' auf seine Menschheit wies, das Gold die Königswürde pries.“
Die Gaben enthüllen uns, was für das Auge des Menschen verborgen
bleibt: welche Bedeutung dieses unscheinbare neu geborene Kind in der Futterkrippe eines Stalles im unbedeutenden Dörfchen Bethlehem für uns hat. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer
Gott, unser wahrer König, Herrscher unseres Lebens. Nichts anderes sagt die Monstranz, die wir auf dem Altar aussetzen. In ihrer Mitte, klein und unscheinbar, ein Stückchen Brot. Ihr Gold, ihr Schmuck
weist auf den hin, der für uns mehr als ein guter König ist, der wahre Herrscher und Schöpfer des Alls, der Geber aller guten Gaben.
Das Brot, das so lebensnotwendig für unser Leben ist, wird durch
Christus in der Hl. Wandlung auch zur Speise unserer Seele. Die Nähe Gottes kehrt in unsere Herzen ein, er selbst erfüllt uns von innen her. „Gottheit tief verborgen, beten nah ich dir. Unter diesen
Zeichen bist Du wahrhaft hier...“ „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir...“ Die
Monstranz enthüllt das unserem Auge und im Gebet erfahren wir auch in unserem Herzen den verborgenen Gott, verborgen im Brot, verborgen im Kind in der Krippe.
Mit dem Weihrauch, den die Sterndeuter brachten, verehren wir den Christus auch im eucharistischen Brot auf
dem Altar. Am Fest der Hl. Drei Könige geht es ja auch nicht um diese Menschen, sondern im den wahren König
, den „Herrscher über die Könige der Erde“, vor dem sie, wie wir heute vor dem eucharistischen Herrn, die Knie
beugen. Es ist wohl nicht so falsch, die Sterndeuter aus dem Osten „Weise aus dem Morgenland“ zu nennen.
Beginnt nicht die wahre Weisheit damit, dass der Mensch nach Gott sucht, ihm allein huldigt und nur vor ihm
die Knie beugt. Die Mitte des Weihnachtsfestes und die Mitte der Anbetung ist Christus, „das Licht der Welt“,
das uns erschienen ist. Er ist die eigentliche Mitte und das Ziel aller menschlichen Geschichte. In ihm leuchtet Gott; in ihm ist Gott unter uns Menschen da; in ihm ist das wahre Licht aufgestrahlt.
Kein Wunder, dass die meisten Monstranzen das eucharistische Brot in die Mitte eines Sterns, einer Sonne,
eines Strahlenkranzes setzen. Christus, das Licht, der Stern von Bethlehem, der unser Leben erleuchtet ist,
„jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht“, wie es im österlichen Exsultet heißt. In den
Evangelien dieser Tage hören wir von den Sterndeutern aus dem Osten, von der Taufe Jesu im Jordan und heute von der Hochzeit zu Kana.
Diese drei Abschnitte der Bibel verbindet, dass die Bedeutung Jesu (der bisher im Verborgenen gelebt hatte)
offenbar wird, dass Menschen die Bedeutung Christi erkennen können. Die Texte bezeugen das Geheimnis,
daß in Christus der unsichtbare Gott sichtbar unter uns erschienen ist. Nicht anderes feiern wir Sonntag für
Sonntag in der Hl. Messe. „Jesus den verborgen jetzt mein Auge sieht ... laß die Schleier fallen einst in deinem Licht, daß ich selig schaue, Herr dein Angesicht.“
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