mitra und tiara

Wenn junge Leute, Kinder oder Jugendliche heute einem Bischof begegnen (was ja zugegeben ein eher seltenes Ereignis ist), denken fast alle zunächst an den Nikolaus (auch wenn es gar nicht Dezember ist). Das liegt vor allem an der ungewöhnlichen bischöflichen Kopfbedeckung, der Mitra, die der Nikolaus (und früher auch St. Martin) tragen, wenn Sie im Martins- oder Nikolausspiel die Kinder besuchen.

(In unserer Kirche ist eine Mitra übrigens im Albertus-Magnus-Fenster vorne links abgebildet.)

Dabei ist es fraglich, ob der Hl. Martin oder auch der Hl. Nikolaus zu ihrer Zeit schon eine Mitra trugen, wie wir sie heute kennen. Die Mitra, die liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe, geht wohl auf eine Kappe zurück, die weltliche Würdenträger im Römischen Reich trugen. Als im Jahr 313 nach Christus Kaiser Konstantin das Christentum offiziell anerkannte und den Bischöfen erlaubte, Stab und Mitra zu tragen (was sie weltlichen Fürsten gleich stellte) entwickelten sich aus der Kleidung der Römer die liturgischen Gewänder - allerdings in den unterschiedlichen christlichen Ländern zu verschiedenen Zeiten.

Erst im Mittelalter setzte sich die Mitra als Kopfbedeckung aller Bischöfe und auch der Äbte durch. Bis dahin trugen viele hohe Geistliche eine einfache, barettähnliche Rundkappe. Bis heute wird eine solche, kleinere Kappe getragen, der Pileolus - zunächst diente dieser schlicht als Schutz der Mitra (die sich ja nicht waschen läßt) vor Schmutz und Schweiß. Zum Gottesdienst wird die Mitra abgesetzt; es bleibt nur der Pileolus auf dem Kopf, den der Papst in weiß, Kardinäle in rot und Bischöfe in violett tragen.

Früher (seit dem Mittelalter) trug der Papst über seiner Mitra die sogenannte Tiara, eine dreifache Krone. Sie symbolisierte die dreifache Macht des Papstes: Weltliche Macht (über die Erde) und geistliche Macht (über Himmel und Hölle). Seit dem Jahre 1964 wird diese Papstkrone nicht mehr getragen. Zu Beginn der II. Vatikanischen Konzils trug auch Papst Johannes XXIII nur eine schlichte Mitra, die sich nicht von den bischöflichen Mitren der andreren Konzilsteilnehmer unterschied - und setzte ein Zeichen für den Abschied der Päpste von weltlichem Machtstreben. In der Geschichte der Kopfbedeckungen der hohen kirchlichen Würdenträger symbolisierten diese allzuoft auch weltliche Macht, waren die Bischöfe doch oft auch die Landesfürsten. Kein Wunder, daß es immer wieder Bestrebungen gab, diese Kopfbedeckungen (und damit auch diese Macht) abzuschaffen; schließlich legte sogar der Papst (Paul VI) in einer symbolischen Handlung die Tiara für immer ab.

Spannend ist auch ein Blick in die Bibel. In einem gewissen Sinne übernahm die Kirche mit der Mitra auch den Kopfschmuck der alttestamentlichen Priester, die nämlich "hohe Mützen" - Migbaoth trugen, eine Art Kopfbinde ohne Spitze, ganz ähnlich einem Turban. „Mitra“ ist das griechische Wort dafür.

Nach Paulus sollen die Männer in der korinthischen Gemeinde den Kopf als Zeichen der Ehrfurcht vor Gott zu entblößen (sich vor Gott nicht verstecken), während der Apostel den Frauen einen sittsamen Schleier empfiehlt. So finden sich in der Bibel und in der Kirchengeschichte ganz unterschiedliche Strömungen, was die Kopfbedeckung angeht. Bei Christen aus dem griechischen oder römischen Raum war eine Kopfbedeckung mehr eine Zeichen für Amt und Würde, wärend sie bei den hebräischen Christen allgemeine Sitte war.

Schließlich blieb aus der Geschichte bis heute einzig die Mitra (und manchmal noch das Birett) als Kopfbedeckung der Bischöfe und Priester und Symbol für ihr geistliches Amt. Die protestantischen Kirchen schafften derartige Zeichen von Amt und Würde ganz ab.