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Sie haben es sicherlich auch schon einmal miterlebt, daß wir - wenn kein Priester
zur Feier der Hl. Messe am Sonntag verfügbar war - einen Wortgottesdienst mit Kommunionfeier gestaltet haben.
Für unsere evangelischen Mitchristen ist eine solche Feier nicht möglich, da die
Kommunionausteilung ganz eng mit der aktuellen Feier des Abendmales verbunden ist. So gibt es in der evangelischen Kirche auch nicht die Überzeugung
der bleibenden Gegenwart des Herrn in den eucharistischen Gaben.
In der Urkirche war es eine Zeit lang möglich, das eucharistische Brot mit nach
Hause zu nehmen, um es «vor jeder anderen Nahrung» zu geniessen. Aus diesem Brauch wurde schließlich die Krankenkommunion. So konnten in einer kurzen
Kommunionfeier die kranken Gemeindemitglieder ebenfalls am Festmahl der Eucharistie beteiligt werden, auch wenn sie nicht zur Kirche kommen konnten.
Auch in der Karfreitagsliturgie wird die Kommunion ausgeteilt, ohne daß damit eine Eucharistiefeier verbunden ist.
In der schwierigen Situation des Priestermangels in der ehemaligen DDR entstand
eine eigenständige Tradition der „Stationsgottesdienste“. Während in der zentralen Pfarrkirche die Eucharistie gefeiert wurde, fanden in den
Seelsorgsstationen (entweder eigene Kirchen oder aber auch versteckte Kapellen in Privathäusern) Wortgottesdienste mit Kommunionfeiern statt. Manchmal wurde
auch die Kommunion aus der Mutterkirche hierhin gebracht. So konnten die weit verstreuten Christen die geheimnisvolle Gegenwart Jesu Christi unter den Zeichen
des Brotes (und evtl. des Weines) erfahren. In vielen Ländern Europas stehen die Katholiken heute vor ähnlichen Problemen. In den Niederlanden werden diese so gelöst, daß wechselnd in den Kirchen eines
Pfarreienverbundes Eucharistiefeiern stattfinden, in den anderen Kirchen Wort-, Gebets- und Kommunionfeiern,
die von den Pastoralreferenten, Diakonen oder damit beauftragten Gemeindemitgliedern geleitet werden. In
Frankreich hat man in der Vergangenheit einen anderen Weg beschritten und zahlreiche kleine Gemeinden aufgelöst, so daß die Katholiken oft weite Wege bis zur zentralen Kirche zurücklegen müssen.
Auch in der deutschen Kirche gibt es Bedenken gegen regelmäßige Kommunionfeiern, weil man glaubt, daß sich
hieraus eine Art „kleine Messe“ entwickeln könnte.
Daher ist es wichtig, daß sich die Kommunionfeier immer auf die Eucharistiefeier der Gemeinde bezieht. Sie
kann kein eigenständiger Gottesdienst in dem Sinne sein, daß z.B. der Vorabendgottesdienst dauerhaft als
Kommunionfeier, der Sonntagsgottesdienst als Eucharistiefeier stattfindet. Eine Kommunionfeier ermöglicht die
Kommunion in zeitlicher Verzögerung - aber immer in Bezug auf die eigentliche christliche Feier, die der
Eucharistie. Wer in einer Kommunionfeier die Kommunion empfängt, bekennt damit (gut katholisch), daß Jesus
Christus in den gewandelten Gestalten von Brot und Wein dauerhaft gegenwärtig ist. Die Eucharistiefeier ist
die Feier der Vergegenwärtigung des Opfers Christi, wogegen die Kommunionfeier die Feier der Gegenwart
Christi ist. Während sich das eucharistische Hochgebet an den himmlischen Vater richtet, beten wir in der Kommunionfeier den gegenwärtigen Christus an.
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