|
In der Kirche gibt es ja viele alte und ehrwürdige Gegenstände, Gebete und Bräuche.
Es mag erstaunlich klingen, aber einer der ältesten davon ist unsere Körper - Haltung beim Empfang der Hl. Kommunion.
Sie geht schon zurück auf den Anfang des 4. Jahrhunderts und den Hl. Bischof Cyrill
von Jerusalem. „Beim Vortreten streck die Hände flach aus und spreize die Finger nicht, sondern lege die linke Hand unter die rechte wie einen Thron, um den
König zu empfangen. Nimm mit hohler Hand den Leib Christi auf und antworte: „Amen“. Genauso empfangen wir bis Heute den Leib des Herrn, „das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6, 51)
Diese äußere und innere Haltung soll ganz deutlich machen, daß ich beim Kommunionempfang ein Beschenkter,
ein Empfangender bin. (Je nachdem ob jemand Links- ode Rechtshänder ist, wird er die linke oder rechte Hand unter die andere legen.)
So ist es in der katholischen Kirche üblich, daß das gewandelte Brot den Christen gereicht, ja geschenkt wird.
Nur der Priester nimmt selbst eine Hostie aus der Schale, wenn er kommuniziert. In anderen Kirchen wird auch
dem Priester die Hostie gereicht, um ganz deutlich zu machen, daß alle Christen die eucharistische Gabe „vom Himmel her“ empfangen.
Gespendet wird die Eucharistie mit dem sehr kurzen Glaubensbekenntnis „Der Leib Christi“. Mit der Antwort
„Amen“ bestätige ich dieses Bekenntnis: „Ja, so ist es, ich glaube, daß ich im Empfang der Kommunion die Nähe
und Gegenwart Christi selbst empfange, daß der Sohn Gottes mit seiner heilenden und erlösenden Kraft gegenwärtig ist.”
Den Kindern, die noch nicht zur Kommunion gegangen sind, wird ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Bis ins 9.
Jahrhundert hinein war es so, daß den Gläubigen das gebrochene eucharistische Brot in die Hand gelegt wurde
. Die Spendung der Kommunion in den Mund entstand erst im Frühmittelalter aus der Furcht, anhaftende kleine
Krumen oder Brösel könnten herabfallen und „verunehrt“ werden. Es ist jedenfalls sicher, dass Jesus beim
Letzten Abendmahl gemäß jüdischem Mahlbrauch das (dünne, flache, orientalische Fladen-)brot nahm, es brach und es den Jüngern in die Hände gab.
In manchen Kreisen wird noch darum gestritten, ob nicht die Mundkommunion „würdiger“ sei. Auch in vielen
anderen Ländern wird die Kommunion weiterhin in dieser Weise empfangen. Wie so oft hilt auch hier ein Blick
in die Bibel, um zu sehen, daß Jesus sich nicht scheut bei „unwürdigen“ Sündern einzukehren und daß er und
die Jünger sich nicht einmal vor dem Mahl die Hände wuschen, wie es Brauch der Pharisäer war. Die Würdigkeit
des Kommunionempfangs hängt nicht in erster Linie am jeweiligen Brauch. Nicht umsonst beten wir in der Messe: „Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach...“
Das ist ein biblisches Zitat, das Wort eines heidnischen Römers, der Jesus einlädt und um Heilung seiner - ebenfalls ungläubigen - Tochter bittet. So
bringt dieses Gebet deutlich zum Ausdruck, daß es Christus ist, der auf uns zukommt und uns die Würde
schenkt, ihn zu empfangen. Er schließt keinen Menschen aus und schenkt uns die Freude zu spüren, daß er
gerade bei mir, so wie ich bin, einkehren will, um mich zu heilen und mich zur Nachfolge, zum christlichen Leben einzuladen.
Daß wir in der Heiligen Messe heute neben dem Herrenleib auch das Blut Christi
empfangen ist eher selten. So besteht diese Möglichkeit für die ganze Gemeinde in der Regel nur am Gründonnerstag, wo die Hostien in den Kelche eingetaucht werden können.
Liest man den Text des heiligen Bischofs Cyrill von Jerusalem weiter, so sieht man, daß
das im 4. Jahrhundert noch anders war: „Nach deiner Vereinigung mit dem Leib Christi tritt auch zum Kelch des Blutes hin. Streck aber nicht die Hände aus, sondern verneige
dich wie zur Anbetung und Verehrung und sprich das ‚Amen‘; heilige dich (mit dem Kreuzzeichen) und empfange das Blut Christi. Solange sein Nass noch an deinen Lippen
ist, führe davon an Augen und Stirn und heilige auch die übrigen Sinne. Dann warte das (Schluss-)Gebet ab und danke Gott, der dich solcher Geheimnisse gewürdigt hat.“
Jesus sagte beim Abendmahl mit seinen Jüngern nicht nur: “Nehmet und esset”, sondern auch “Nehmet und
trinket alle daraus”. Und er sagt es bis heute bei jeder Messe. Im Grunde müßte man diesem Auftrag wieder getreu nachkommen.
 Die Kommunion unter beiden Gestalten für alle
Gläubigen war während des ganzen ersten Jahrtausends die Regel, aber seit dem 12. Jahrhundert begann man, auf die Kelchkommunion der Gläubigen zu verzichten. Zu dieser Entwicklung trug die anwachsende
Eucharistiefrömmigkeit viel bei, die sich auf die Verehrung des konsekrierten Brotes beschränkte. Als im 15./ 16. Jahrhundert die Reformatoren die Kommunion unter beiden
Gestalten für heilsnotwendig erklärten, lehrte das wichtige Konzil von Trient, daß Jesus Christus unter jeder der beiden Gestalten ganz gegenwärtig ist. Die Kirchen der Reformation
haben die Kelchkommunion von Anfang an wieder eingeführt und die orthodoxe Kirche hat sie die ganze Zeit über beibehalten. Das 2. Vatikanische Konzil
hat die Kommunion unter beiden Gestalten wieder zugelassen.
In der Regel sind es bis heute praktische Gründe, die dazu geführt haben, daß die Anregung des Konzils, die
Kommunion unter beiden Gestalten zu empfangen, nicht umgesetzt wurde. So gibt es eine Sorge, es könnten
ansteckende Krankheiten verbreitet werden oder die Frage, wie die Kommunion gespendet werden soll, wenn
einige hundert Menschen aus dem Kelch trinken möchten, wie es bei Jesu Abendmahl geschah. Daher läßt das Messbuch auch Alternativen zu, wie das Eintauchen in den Kelch und die Nutzung von Löffelchen bzw.
Röhrchen. In der evangelischen Kirche gibt es den Brauch, kleine Einzelkelche zu verwenden, aber alle diese
Lösungen sind in unserer Gemeinde wohl kaum zu praktizieren. Wer möchte schon mit einem Löffelchen den
konsekrierten Wein in den Mund bekommen oder mit einem „silbenen Strohhalm“ aus dem Kelch trinken. Auch die Einzelkelche verdunkeln das Symbol des einen Kelches.
Eine wirklich gute Lösung, die eine allsonntägliche Kelchkommunion der ganzen Gemeinde ermöglichen würde,
wurde bis heute nicht gefunden.
|