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Um das kirchliche Festjahr richtig zu verstehen, muß man von den beiden großen Festen der Geburt und des
Todes und der Auferstehung Jesu ausgehen. Dies Feste liegen nicht zufällig im Winter und im Frühjahr.
Daß es sich beim 25. Dezember genau um den Jahrestag der Geburt Christi handelt, ist zumindest zweifelhaft. "Ze wihen nahten"
, in der heiligen Nacht, wird "Weihnacht" gefeiert, daher kommt der Name. Je mehr die Gläubigen neben der Göttlichkeit Christi auch über sein Menschsein
nachdachten, desto wichtiger wurde das Fest seiner Geburt. Ursprünglich wurde neben dem Osterfest nur das Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar gefeiert.
Im 2. Jahrhundert kam dann das Fest der Geburt Christi
auf. Papst Liberius legte 354 die Feier des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember fest. Unser heutiges Weihnachtsfest entwickelte sich in mehreren Schritten. Im 3. bis 5. Jahrhundert wurde Weihnachten zu
einem Fest. Im 5. und 6. Jahrhundert wird Weihnachten zum dritten Hochfest der Christen. Im 6. bis 9. Jahrhundert bildet sich der weihnachtliche Festkreis aus.
Vom 9. bis 16. Jahrhundert entstanden viele Festformen aus, die noch für uns heute Weihnachten ausmachen: Weihnachtslieder, Krippenverehrung, Schmücken, Friede
usw.. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert verändert sich Weihnachten: Weihnachten wird zunehmend romantisch, zum Kinderbeschenktag, Christbaum und Krippe halten
Einzug in die Häuser. In Fortsetzung dieser Tradition wird Weihnachten im 18. bis 20. Jahrhundert zu einem Familienfest. Der Weihnachtsfestkreis gliedert sich in Advent und Weihnachten.
Das christliche Osterfest dagegen hat seinen Vorläufer im jüdischen Passah oder Pessach: An ihm wird der Auszug der Kinder Israels aus dem "ägyptischen Sklavenhaus"
gefeiert. In Ägypten sprach der Herr zu Moses und Aaron: "Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der erste unter den Monden des
Jahres gelten.“ In dieser Tradition lebte auch Jesus von Nazareth als er im Rahmen der letzten Pessach-Feier ("letztes Abendmahl") vor
seinem Tod sein Fleisch und sein Blut als Opfer für die christliche Gedächtnisfeier einsetzte.
Im jüdischen Passah sind zwei unterschiedliche Feste eins geworden:
Das Hirtenfest mit der Feier des Pessach-Lammes ist das ältere Fest der Nomaden und das Fest der ungesäuerten Brote ein Frühlingsfest der Bauern zum Beginn der Getreideernte.
Die Bibel gebot den Juden, Pessach sieben Tage zu feiern. Die
christliche Festzeit, die Oktav, also eine Festzeit von acht Tagen, hat hier ihr Vorbild. Die Mazza, das ungesäuerte Brot aus Mehl und Wasser, das für die Pessach-Feier gebacken wurde, war Vorbild der
Hostie.
Früher glaubte man, das Wort Ostern leite sich von einer
germanischen Frühlingsgöttin Ostara ab. Das stimmt wohl nicht. Der älteste Beleg für das Wort Ostern findet sich bei Beda Venerabilis 738 mit "Eostro"
. Das Wort bedeutet Morgenröte. Damit meint man den Zeitpunkt der Auferstehung Jesu in der Morgenröte aber auch den Beginn einer neuen Zeit.
Vor einigen Tagen erwähnte ich in einem Gespräch, daß wir in der
Kirche ja weiterhin in der österlichen Festzeit leben - was großes Erstaunen auslöste. „Wieso? Ostern ist doch schon lange vorbei - ich kann die ganzen Eier und Hasen schon nicht mehr sehen.“
Wie stark das Bewußtsein für das christliche Festjahr abhanden gekommen ist, spüren wir ja auch in den
Tagen nach Weihnachten. Die Adventszeit ist nur noch Vorweihnachtszeit und Weihnachten endet für viele Menschen mit dem Festtag. Dabei beginnt das Fest für uns Christen erst am Heiligen Abend um bis ins
folgende Jahr (6.1.) zu dauern. Ostern feiern wir jetzt noch einige Wochen lang - bis zum Pfingstfest.
Was aber niemanden hindern muß, Eier und Hasen aus der Wohnung zu verbannen. Bleiben könnte als echt
österliches Symbol allerdings die Osterkerze.
Eine sehr betagte Nonne, die schon seit mehr als sechzig Jahren in einem Benediktinerkloster lebte, sagte in
einem Interview, die Jahre seien wie im Flug vergangen. Grund dafür sei wohl vor allem der schöne Rhythmus
des Kirchenjahres gewesen mit seinen Festen, mit der Vorbereitung darauf und dem Nachklingen, mit der
Schwelle zwischen Wochentag und Sonntag. Und darüber hinaus ist ja jeder Tag in einem Kloster nochmals
gegliedert durch den Wechsel zwischen Stundengebet und Arbeit. Langeweile kann in einem solchen Tages- und Jahrelauf nicht leicht aufkommen.
Das Kirchenjahr mit seinen Festzeiten ist ein in Jahrhunderten gewachsenes Kunstwerk des Glaubens, ist ein
Rahmen, der Zeit für Gott frei macht und damit auch Zeit für viel Kostbares, das in Hast und Lärm nicht mehr
wahrgenommen wird. Zum wesentlichen Beitrag des Christentums (und des Judentums) gehört es, daß der
erste bzw. der siebente Tag der Woche vor allen anderen Tagen der Besinnung, dem Gottesdienst und der
Arbeitsruhe vorbehalten ist. Durch viele Jahrhunderte hat dieser Rythmus das Leben geordnet und den
Menschen Halt und Orientierung gegeben. Diese Lebenskultur geht nach und nach verloren und wird durch ökonomische Interessen (und Gedankenlosigkeit) in Frage gestellt.
Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Adventssonntag und endet mit dem Christkönigsfest. Höchstes Fest des
Kirchenjahres ist das Osterfest. Es wird vorbereitet durch die vierzig Tage der österlichen Bußzeit. Das
Osterfest dauert acht Tage, die Osterfestzeit bis zum Pfingstfest. Die Zeiten zwischen dem adventlich-weihnachtlichen Festkreis und dem Osterfestkreis nennt man „Die Zeit im Jahreskreis“.
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