chormantel

Während wir im Alten Testament genaue Vorschriften für die liturgische Bekleidung finden, sucht man danach im Neuen Testament vergeblich. In der jungen Kirche wurde die übliche Feiertagskleidung auch im Gottesdienst verwendet. Erst ab dem 4. Jahrhundert unterscheidet man zwischen liturgischer und weltlicher Kleidung. Während sich diese nach den Moden richtete, orientierte sich die Sakralkleidung weiter an den ursprünglichen Kleidungsstücken.

Aus den altrömischen Kleidungsstücken Tunika und Toga entwickelten sich dann Gewänder und Paramente (von lat. parare = vorbereiten, rüsten) für die unterschiedlichsten Anlässe und für die verschiedenen geistlichen Ämter. Seit dem 13. Jahrhundert wurde von allen Klerikern ein Schultertuch, die Albe (weißes Untergewand) und das Pluviale (Chormantel) getragen. 

Der Chormantel ist ein weiter und langer, vorne offener, ärmelloser Mantel aus Seide (oder anderen edlen Materialien), ursprünglich eigentlich ein Wettermantel. Darauf weist noch der Name hin, denn Pluviale leitet sich vom lat. Wort für Regen ab. Dieser liturgische Mantel entstand in der Karolingerzeit aus einem Mantel, den die Mönche beim Chorgebet (daher der Name Chormantel) und bei Prozessionen getragen haben.

Er unterscheidet sich vom Messgewand durch eine Kapuze und wurde vorne ganz oder zum Teil aufgeschlitzt. Seit dem ausgehenden Mittelalter wurde die Kapuze meist zu einem dekorativen „Schild“ umgestaltet, nachdem sie schon im 11. Jahrhundert ihre praktische Funktion verloren hatte. Der Chormantel entwickelte sich zu einem Prunkstück, wobei der Reichtum des Stifters oder Trägers in der Verwendung kostbarer Damaste, Bildstickerei und in der Goldschmiedearbeit des Verschlusses zum Ausdruck kam.

Das Pluviale wird bis heute sowohl vom Priester wie auch vom Diakon oder Bischof bei Prozessionen, Andachten, Beerdigungen, Segnungen oder Weihungen getragen. Vor allem bei solchen Gottesdiensten, bei denen der Priester kein Messgewand (Casel) tragen darf, wie z.B. beim feierlichen Stundengebet. Er heißt daher auch Vesper- Segens- oder Rauchmantel.

Auch zum königlichen oder kaiserlichen Ornat gehört seit dem Mittelalter bis zum Jahre 1806 ein Pluviale als Krönungsmantel.

Es gibt auch bei uns in St. Marien verschiedene Chormäntel, wobei wir nur einen weißen Chormantel verwenden. Das liegt ja auch nahe, da das Gewand auch nur zu festlichen Anlässen getragen wird. Früher wurde es häufiger verwendet. Erhalten haben sich aber auch Exemplare in grün und rot sowie ein schwarzes Pluviale für Beerdigungen. Das rote Pluviale kommt alljährlich zu Nikolaus zur Geltung. Daß es keines in violetter Farbe gibt liegt ja nahe, da die Fastenzeiten, in der dieser Farbe Verwendung findet auch durch Verzicht auf festliche liturgische Kleidung gekennzeichnet ist.

Auf alten Fotos sehen wir noch ein wunderschönes Exemplar mit einer Christusdarstellung, über dessen Verbleib wir nichts wissen.

Das Bild zeigt Pfr. Nienhaus, Studienrat Dr. Möllers und Kaplan Hackfurth bei der Glockenweihe im Jahre 1932. Die drei Messgewänder sind bis heute erhalten. Der Chormantel leider nicht.