pastor lepping's 75. Geburtstag

Im Alter von 78 Jahren ist Pastor Lepping 2006 verstorben. Hier ein Bericht von seinem 75. Geburtstag:

Wir feierten Ende April 2004 mit Pastor Lepping seinen 75. Geburtstag. Es ist schon gute Tradition, daß wir damit auch die Feier seines 45. Priesterjubiläums und seiner Pfarreinführung vor (fast) 35 Jahren am 22. September 1968 verbinden. Die Zeitungsberichte von damals sind gerade heute interessant zu lesen. Vieles davon ist wahr geworden. Zusammen mit Bildern aus der Amtszeit von Pastor Lepping dokumentieren wir die Zeitungsmeldungen von damals.

Lohberg. Mit einem festlichen Hochamt wurde am Sonntagnachmittag Pfarrer Wilhelm Lepping als neuer Seelsorger in die Lohberger „St. Marien“ - Gemeinde eingeführt. Kirchenchor und Orchester der HBAG brachten eine Tittel-Messe in lateinischer Sprache zur Aufführung, die eine begeisterte Resonanz hinterließ. Dechant Propst Bornefeld stellte in seiner Begrüßung fest, daß die Gäste von dem herzlichen Empfang durch die Lohberger sehr erstaunt gewesen seien. „Die Gäste aus Dorsten haben sich vielleicht gewundert, aber die Lohberger haben gedacht: Das ist eben Lohberger Format!“ In humorvoller Weise hieß er Pfarrer Lepping, der aus Westfalen kommt, als „Gastarbeiter am rechten Niederrhein“ willkommen.

Propst Bornefeld überreichte dem neuen Pfarrer von Lohberg die Schlüssel zum Gotteshaus. Danach bewegte sich ein langer Zug in die Kirche. Geistliche aus seiner letzten Pfarre und aus dem Dekanat Dinslaken gaben Wilhelm Lepping ein eindrucksvolles Geleit. Imposant war die Wirkung, als der neue Seelsorger, eingerahmt von den Bergknappen mit brennenden Grubenlampen, in die Kirche einzog. Während des Gottesdienstes stellte Propst Bornefeld Wilhelm Lepping den Gläubigen vor und überreichte ihm die Gewalt über den Altar, das Evangelienbuch und die Taufgeräte. Die Predigt von Pfarrer Lepping fußte, wie es bei solchen Anlässen üblich ist, auf dem Evangelium vom guten Hirten.

Früher habe man gemeint, der Hirte müsse eine unwissende Herde leiten, belehren und gelegentlich auch einmal zurechtweisen. „Dieses Bild passe“, so der Pfarrer, „in die nachkonziliare Ära nicht mehr hinein. Vieles, was das Evangelium vom guten Hirten sage, könne nur Christus allein und nicht der Priester tun. Dieses Wort sei aber auch ein Anlaß zu ernster Selbstprüfung. Menschen neigten immer dazu, mehr Macht über andere Menschen zu gewinnen, oder ihre Werke sollten der Selbstbestätigung dienen. Der Priester muß achtgeben, daß er sein Amt und seine Autorität nicht mißbraucht. Die Gemeinde möge mir helfen, mich durch brüderliche Korrektur auf den rechten Weg zu führen.“

In einer anschließenden Feierstunde wünschte der Vorsitzende des Pfarrkomitees, Lohre, dem neuen Bergmannspastor für sein schweres Amt Gottes Segen und eine glückliche Hand. Er versprach Wilhelm Lepping, daß sie mit ihm Hand in Hand arbeiten wollten. Kirchenvorstandssprecher Gilbers „Beginnen Sie Ihre Arbeit mit Entschlossenheit.“ Als Begrüßung überreichte er Lepping eine handgewebte, rote Stola. „Sie können mit der ganzen Liebe der Gemeinde rechnen“ , ging Gilbers auf die rote Farbe der Stola ein. Sie sei darüberhinaus aber auch die Farbe des Heiligen Geistes, der ihm helfen solle, mit allen Schwierigkeiten fertigzuwerden.          

Nach Vorträgen des Kindergartens und der Schüler begrüßte Propst Bornefeld seinen neuen Dekanatskollegen mit „Lieber Wilhelm“. „Du wirst hier sicher Fuß fassen und Wurzeln schlagen. Das Fundament ist gelegt von Albert Nienhaus, weitergearbeitet hat Heinz Polders, und Du als Gastarbeiter aus Westfalen trittst jetzt die Nachfolge an.“ Der Gemeinde wünschte Bornefeld viel Glück mit dem neuen Seelsorger, Wilhelm Lepping Glück, Zufriedenheit, Erfolg und Gesundheit.

Herzliche Segenswünsche überbrachte auch der evangelische Pfarrer aus Lohberg, Paskert. „Wir müssen beide an einem Strang ziehen, da wir zur Hälfte mit der Schachtanlage verheiratet sind.“ Paskert freute sich, daß Lohberg einen jungen Pastor bekäme, mit dem er sich hoffentlich öfters bei freundlichen Anlässen treffen könne. Er wies darauf hin, daß zum ersten Mal in der päpstlichen Zeitung „Osservatore Romano“ das Bild eines evangelischen Bischofs abgebildet worden sei. ('87)

 „Wenn die da oben schon so gut miteinander umgehen, wieviel mehr dann wir ganz unten!“ rief Pfarrer Paskert aus. In der Dogmatik gebe es immer Unterschiede, sogar in einer Kirche; worauf es ankomme, sei, daß man sich untereinander in Liebe begegne. Mit einem herzlichen „Glückauf für Lohberg“ schloß Pfarrer Paskert seine Ansprache.

Glückwünsche kamen auch von Vertretern der Stadt und der Schachtanlage, sowie der Lohberger Schulen.

Dechant Westhoff aus Dorsten resümierte, daß er normalerweise beauftragt sei, den neuen Pfarrer einzuloben. Doch in Lohberg habe er das nicht nötig gehabt, da er mit Pauken und Trompeten empfangen worden sei. Propst Westhoff aus Dorsten bedauerte, einen so befähigten Mitarbeiter verloren zu haben, wünschte aber einen guten Beginn in Lohberg.

Vorsitzender Meister vom Knappenverein meinte, der Pfarrer sei nun "vom Lehrhauer zum Hauer" befördert worden.

Wilhelm Lepping, noch sichtlich gerührt von dem begeisterten Empfang, fehlten anfangs die Worte, so daß er zunächst einmal mit einem „Zum Wohle“ sein Glas erhob. Sein Herz sei voll, und er danke allen, die ihm diesen Empfang bereitet hätten. Der Abschied von Dorsten sei ihm schwergefallen, doch jetzt sei es ihm wieder leicht geworden beim Anblick der offenen Arme und Herzen. Als gutes Omen habe er es empfunden, von den Bergknappen in die Mitte genommen worden zu sein.

Lieber Wilhelm! Lieber Pastor!
Wir gratulieren Dir von ganzem Herzen!

Am Donnerstag, 24. April 2003 wurde unser Pastor Wilhelm Lepping 75 Jahre alt. Wir haben seinen runden Geburtstag zusammen mit seinem 35-jährigen Ortsjubiläum und seinem 45-jährigen Weihejubiläum am Sonntag, 27. April 2003 gefeiert.

Pastor Lepping wurde am 24. April 1928 in Vreden im Kreis Borken, nahe der niederländischen Grenze, geboren . Nach 8 Jahren Volksschule begann er eine kaufmännische Lehre bei der Vredener Weberei Hecking. Diese mußte er frühzeitig beenden, da er Anfang 1945 zum Arbeitsdienst eingezogen wurde. Von seinem Arbeitsdienst - Einsatzort in Niederschlesien konnte er vor der anrückenden russischen Armee fliehen und kam Ende Mai - zu Fuß - zurück nach Vreden.

Der damalige Vredener Kaplan motivierte ihn dazu, das Abitur nachzuholen. Ein Pastor in der Nachbarschaft trimmte ihn zwei Jahre lang auf Untersekunda in Latein, Griechisch und Mathematik. Mit 24 Jahren folgte dann 1952 das Abitur auf dem Lantermann-Gymnasium in Duisburg. Theologie studierte Wilhelm Lepping in Münster und München. 1958 folgte die Priesterweihe (am Gedenktag der Gottesmutter von Lourdes).

Nach Kaplansjahren in Warendorf und Dorsten kam er nach Lohberg. Damals meinte der Personalchef zu ihm, daß er hier ja nicht alt zu werden brauche, denn St. Marien galt als „schwierige Gemeinde“. Die starke Identifikation der Gemeindemitglieder mit der Arbeitswelt auf der Schachtanlage beeindruckte ihn aber sehr. In seinen ersten Jahren in Lohberg besuchte er die Bergleute an ihren Arbeitsplätzen auf der Schachtanlage und lernte die verschiedenen Bereiche der Arbeit dort kennen. Er wurde schnell in Lohberg heimisch und ganz anders als vorhergesagt ist er doch hier „alt geworden“.

Mit Vollendung des 75. Lebensjahres muß Pastor Lepping dem Bischof seinen Rücktritt anbieten, daher ergeben sich bald auch für die Seelsorger in Lohberg und Bruckhausen einige Veränderungen. Pastor Lepping wird „emeritiert“ und Pastor Hennes aus Bruckhausen wird Pfarrverwalter/Pfarrer in St. Marien. Für einen eigenen Pastor ist St. Marien mit etwas mehr als 2.000 Gemeindemitgliedern heute zu klein, denn Priester sind „rar“ geworden. Da „emeritiert“ aber auch etwas anderes als „pensioniert“ ist, bleibt uns Pastor Lepping als Pastor erhalten - er wohnt auch weiterhin im Pfarrhaus - wird aber einige seiner bisherigen Aufgaben abgeben.

Eine „ungehaltene“ Rede!

Zur grandiosen Feier am vergangenen Wochenende brauchen wir sicherlich nicht mehr viel zu berichten. Sie waren ja (fast) alle dabei. Viele (ehemalige) Lohberger wollten Pastor gratulieren und mit ihm zusammen feiern. So kam er gar nicht dazu seine Rede zu halten. Und auf diesem Wege kommte die „ungehaltene Rede“ doch noch unter das „Volk“:

„In der Tagespresse und im Sonntagsguß stand schon so viel Biographisches, da kann ich nichts Neues hinzufügen. Aber es ist etwas nicht zur Sprache gekommen, was mir im Rückblick auf 35 Jahre wichtig scheint. Es war auch eine ganz besondere Konstellation damals, die mich in St. Marien gehalten hat. Pastor Paul Zeitler kam im gleichen Jahr 1968 nach St. Jakobus und auch unser damaliger gemeinsamer Kaplan Theo Boymann. Das gab es übrigens im Bistum zum ersten Mal: ein Kaplan für zwei Pfarreien. Durch Pastor Zeitler, Pastor Kuhn in Bruckhausen, Theo Boymann und mich gab es schon damals einen Pfarrverband oder eine Pfarreiengemeinschaft als es den Begriff im Bistum noch gar nicht gab. Die harmonische Zusammenarbeit unter Nachbargemeinden war mit ein Grund für meine Beharrlichkeit.

Besonders wichtig war der Kontakt zur Arbeitswelt der Gemeindemitglieder, zur Lohberger Zeche. Den Zugang zum Pütt haben mir einflussreiche Männer dort eröffnet, die auch hier im Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat oder anders in der Gemeinde aktiv waren und noch sind. Zu den häufigen Grubenfahrten haben mich Betriebsführer und Fahrsteiger zu ihren ganz normalen Befahrungen mitgenommen. „Jetzt zeigen wir dir, wo der liebe Gott die Kohle versteckt hat." Bei den anderen Besuchen auf der Zeche ging ich immer zuerst ins Betriebsratzimmer. Mitunter angepflaumt aber immer freundlich begrüßt von den Betriebsräten. Die damalige „Vorzimmerdame“ des Werkschefs, Hans Rühl sagte immer: „Jetzt trinken wir erst mal einen. Ich habe noch eine letzte Flasche von August Thyssen.“ Auch die PS-Direktoren hatten immer einen Wacholder kalt stehen.

Ich will nicht vergessen die Männer der „Concordia“, die in unserer Kirche spät abends eine Kasette aufgenommen haben; zu einem Adventkonzert in die Kirche kamen; und immer beteiligt waren und sind beim Bergmannsgottesdienst.

Ein weiteres Klebpflaster war die gute ökumenische Zusammenarbeit mit unserer evangelischen Nachbargemeinde mit ihren Pastören Paskert, Friedhelm Quade und jetzt Harro Düx.

Einen Bereich muß ich noch erwähnen: Die Sportschützen der DJK, bei der ich zeitweise in der Mannschaft Luftpistole aktiv war. In einer Delegiertenversammlung in Bruckhausen habe ich den Antrag gestellt, den Kreisvorstand um eine Position zu erweitern; den Posten des Feldkaplans und habe gesagt: „Ich wüßte auch schon einen Kandidaten.“

Bei so viel lieben und z.T. freundschaftlichen Begegnungen und Kontakten fällt es nicht schwer, auch in einer „schwierigen Gemeinde St. Marien“ (Zitat des damaligen Personalchefs des Bistums) zu sein und zu bleiben.

Ich bin zufrieden und glücklich hier und bleibe. Danke!

Weit über 200 Personen feierten am Sonntag mit.

 

 

 

 

 

 

 

Pater George aus Rom vermittelte Gruß und Segen aus dem Vatikan.