reinhard lettmann, em. bischof v. münster

Reinhard Lettmann wurde am 9.März 1933 in Datteln (Kreis Recklinghausen) geboren.
Er verstarb am 16. April 2013 in Bethlehem.

In Münster, Innsbruck und Freiburg studierte er Philosophie und Theologie.
Am 21.Februar 1959 weihte ihn Bischof Michael Keller zum Priester. Erste Kaplansjahre führten ihn nach Beckum St. Stephanus. Von 1960 bis 1963 studierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Kirchenrecht und promovierte zum Dr. jur. can. Bischof Joseph Höffner berief ihn dann zu seinem Kaplan und Privatsekretär. 1967 wurde er Residierender Domkapitular. Nach vorheriger Wahl durch das Domkapitel ernannte ihn Papst Johannes Paul II., den Lettmann sieben Jahre später, am 1. und 2. Mai 1987, in Münster und in Kevelaer begrüßen konnte, zum 75. Bischof von Münster. "Christo tuo venienti occurrentes" lautet sein bischöflicher Wahlspruch: Laßt uns dem kommenden Christus entgegeneilen. Inzwischen ist Bischof Lettmann emeritiert (seit 2008). Sein Nachfolger ist Bischof Felix Genn.

Fast immer war er der "Benjamin":

mit 34 Jahren Deutschlands jüngster Generalvikar; 39jährig die Ernennung zum Weihbischof und Bischofsweihe; im Frühjahr 1980 als 74. Nachfolger des heiligen Ludgerus jüngster deutscher Diözesanbischof. Am 9. März 1998 ist Bischof Dr. Reinhard Lettmann 65 Jahre alt geworden. Seit 18 Jahren steht er also an der Spitze der mit über 2,1 Millionen Katholiken drittgrößten Diözese in Deutschland. Er versieht seinen oft fordernden Dienst mit Augenmaß und Gelassenheit, er ist souverän im Umgang auch mit komplizierten Vorgängen, er liebt Gespräch und Begegnung, aber auch die Zeit des Zurückgezogen-seins, der Stille und des Gebetes. Der Bergmannssohn aus Datteln ist das genaue Gegenteil eines "Kirchenfürsten", sondern will im besten Wortsinn ein "Pontifex" sein: ein Brückenbauer der Menschen untereinander und der Menschen mit Gott. Gerade weil Politik und Gesellschaft, aber auch das "Schiff Kirche" in unruhigem Fahrwasser unterwegs sind, wünscht sich Bischof Lettmann für die kommenden Jahre, daß "wir bei allen Erscheinungen unserer Tage den guten Mut nicht verlieren".

Das Wort "Oberhirte" schätzt der 65jährige nicht. Es könnte das Kirchenvolk als Herde klassifizieren, richtet Hürden auf, schafft Gegensätze. Seine überall im großen Bistum zwischen Nordsee und Niederrhein spürbare Popularität hat sich der Bischof von Münster auch deshalb erworben, weil es ihm leicht fällt, auf Menschen zuzugehen. Mit dem Papst, Kardinälen oder ranghohen Politikern spricht er ebenso natürlich und unverstellt, wie er dies bei seinen zahlreichen Reisen kreuz und quer durch die Diözese tut. Dabei kommt ihm seine Gabe des Zuhörenkönnens sehr zustatten. Wenn sich an manchen "Schreibtischtagen" in seiner Wohnung am Domplatz 27 in Münster unterschiedlichste Besucher die Klinke in die Hand geben, fühlen sie sich zumeist von "Bischof Reinhard" verstanden und ernstgenommen, wie oft zu hören ist. Nicht selten kann der Bischof bei Problemen im Abwägen verschiedener Wege bereits Lösungen anbieten. Oder er sprengt festzementierte "Tatsachen" mit ruhig vorgetragenen neuen Argumenten auf. Sein trockener westfälischer Humor ist sprichwörtlich.

Dabei ist Reinhard Lettmann durchaus ein Bischof mit Haken und Kanten, der sich nicht scheut, entschieden seine Meinung zu sagen. So argumenierte er jüngst bei den Vollversammlungen des Diözesanforums "Mit einer Hoffnung unterwegs" messerscharf und wohlbegründet, welche Voten der Forumsmehrheit er in seiner Verantwortung als Bischof vor seinem Gewissen und in Wahrung der kirchenrechtlichen Bestimmungen nicht mittragen könne. Seine klaren Worte rissen nicht Gräben auf, sondern trugen ihm Respekt ein. Dabei hält er wie seine Vorgänger Heinrich Temhumberg, der ihn vor 25 Jahren zum Bischof weihte, und Joseph Höffner, der ihn zu seinem Sekretär und 1967 zum Bischöflichen Generalvikar berief, nichts von kurzatmiger Anbiederung an den Zeitgeist. Lettmann will mit seinen zahlreichen Predigten und Ansprachen nicht "ankommen", sondern "rüberkommen": etwa, wenn er unermüdlich für das eigene Lebensrecht des ungeborenen Kindes wirbt, wenn er sich leidenschaftlich für Wert und Würde des Menschen "am Anfang und am Ende seiner menschlichen Existenz" einsetzt, wenn er den 1.200 Priestern in seinem Bistum Mut zuspricht und die frei gewählte Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen verteidigt. Man solle die Priester nicht als geweihte Kirchenmanager oder für alles und jedes zuständige Allrounder mißverstehen. Kein Priester müsse "selbst den Erlöser spielen", rief er Pfingsten 1997 den 16 Neugeweihten zu. Auch wenn es manchmal "quer zu den Plausibilitäten unserer Welt" stehe: Die Priester sollten "in der Vollmacht Jesu" das Wort Gottes verkünden und die Sakramente spenden. Allerdings möchten die Priester auch, daß die Gläubigen ihren Dienst erwarteten, erbäten und beanspruchten, fügte der Bischof hinzu.

Ist er innerhalb des deutschen Episkopats ein "konservativer" oder eher "progressiver" Bischof? Ihm selbst ist solch ein Schubkastendenken fremd - und wohl auch zuwider. Er denkt und spricht "nec laudibus nec timore", wie der Wahlspruch eines seiner Amtsvorgänger lautet: unbeeinflußt vom möglichen Gerede der Leute und auch frei von Furcht. Dies gibt Bischof Lettmann eine heitere Gelassenheit, bestärkt seine Gradlinigkeit, macht ihn frei von tagesaktuellem Taktieren. Er weiß nur zu gut, daß ein Diözesanbischof der Einheit nach innen und außen verpflichtet ist. Das schließt polarisierendes Handeln aus. Vielmehr versucht er in geduldigen, beharrli -chen Gesprächen, auseinanderlaufende Fäden wieder zusammenzubinden. Dies Bemühen hat seine bislang 18jährige Amtszeit als Bischof von Münster mitgeprägt.

In Freizeit und Privatleben läßt sich Bischof Lettmann nur ungern in die Karten schauen. Daß er Jahr für Jahr mit Theologiestudenten, Zivildienstleistenden und Bundeswehrsoldaten zu einer einwöchigen Fußwallfahrt aufbricht, hat sich überall im Bistum herumgesprochen. Hier ist er auch als Mann in den Sechzigern "total fit und immer gut drauf", wie ihm Jahrzehnte jüngere Mitwallfahrer bestätigen. Unterwegs verachtet er typische westfälische Kost ebenso wenig wie ein Schnäpschen zur Stärkung oder ein kühles Blondes am Abend. Schon zum Jahresbeginn versucht der Bischof, grundsätzlich einen Tag in der Woche frei von Terminen und Verpflichtungen zu halten: "Das kann ich nicht immer von meinen Priestern fordern, mich aber selbst nicht dran halten", kommentiert er schmunzelnd. Seinen Sommerurlaub verbringt Bischof Lettmann gerne mit Wandern, Lesen und Ausruhen im Schwarzwald. Seit einiger Zeit hat er auch die "Leeze", den münsterischen Drahtesel, für sich (wieder-)entdeckt. Viel zu selten kommt Lettmanns Funktion als Schriftsteller und geistlicher Autor in den Blick: Seit seiner Amtseinführung als Bischof am 16. März 1980 durch Kardinal Joseph Höffner, den damaligen Erzbischof von Köln und seinen langjährigen "Chef", hat er mehr als 20 Bücher geschrieben. Es sind vorwiegend meditative, reflektierende Arbeiten, die im Laufe eines Jahres an ausgesuchten Mußetagen zustandekommen und die Menschen zu einem "Christsein durch Einsicht und Entscheidung" ermutigen sollen, wie er seine Christusmeditationen im Jahre 1984 übertitelt hat.

Quelle: Homepage des Bistums Münster           www.bistum-muenster.de