90 jahre eucharistie

Während in der Pfarrchronik von St. Albertus Magnus berichtet wird, dass die ersten Hl. Messen dort im Wohnzimmer einer kath. Familie gefeiert wurden, so war das in Lohberg anders. Die Katholiken, die nach Lohberg kamen, um dort auf der Schachtanlage zu arbeiten, mußten zur Oberlohberger Herz-Jesu-Kirche gehen. Bis 1913 wurden in Lohberg 279 Wohnungen gebaut, bis 1918 kamen noch einmal 761 Wohnungen hinzu. Pfr. Albert Nienhaus, der im Jahre 1909 im Alter von 30 Jahren als Rektor in die Hiesfelder Gemeinde kam, fand hier sein Arbeitsfeld.

Von Anfang an kümmerte er sich um die Lohberger Katholiken. Schon 1914 plante er einen Kirchenbau, mußte aber wegen des Weltkrieges mit einem Notbehelf vorlieb nehmen. Die neu errichtete Lohnhalle der Zeche bot einen geräumigen und würdigen Raum für den Kath. Gottesdienst. Mit Flugblättern wurden die Lohberger zur ersten Hl. Messe am Ostertag 1916 eingeladen, heute vor 90 Jahren war das.

Lassen wir Albert Nienhaus selbst zu Wort kommen.
lohnhalle

„Am Osterfeste - Sonntag, dem 23. April 1916 konnte der erste Gottesdienst in Lohberg gehalten werden und zwar in der geräumigen Lohnhalle, welche die Zechenverwaltung in entgegenkommender Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. In dieser Halle erlebte nun an den Sonn- und gesetzlichen Feiertagen das Erlösungsopfer des Heilandes seine unblutige Erneuerung. Hier wurden jetzt die Kinder getauft, die Ehen geschlossen, Beichte wurde gehört, tagsüber in einer Schulbaracke sonst in der Lohnhalle vor und nach der Frühmesse. Für gewöhnlich fand der Gottesdienst statt: um 8 Uhr Frühmesse, um 10 Uhr Hochamt, um ½ 3 Uhr Andacht.

katholiken von lohbergDer Jubel der kath. Bevölkerung war groß, da sie jetzt eine bequeme Gelegenheit hatte, wenigstens an den Sonn- und Feiertagen die Hl. Messe mitfeiern zu können. Der Höhepunkt der heutigen Festfeier war das feierliche Hochamt. Verschiedene sangeskundige Männer, besonders aus den Zechenbeamten, hatten sich vor einigen Wochen zusammengefunden zur Bildung des Kirchenchores „Caecilia“ unter der Leitung des Bruders des Pfarrektors, des Verwaltungsbeamten Heinrich Nienhaus und für heute eine mehrstimmige Messe von Jasper eingeprobt, die auch sehr gut vorgetragen wurde. Der Besuch des heutigen Gottesdienstes war über Erwarten gut, einfach glänzend (Von den ca. 1.800 Katholiken (geschätzt) waren 1.000 zum Hochamt gekommen.)

Die Rektoratsgemeinden Hiesfeld und Lohberg wurden beide von Pfarrektor Nienhaus verwaltet, dem seit dem 22. August 1913 Johannes Kempges als Kaplan zur Seite stand. Während Kaplan Kempges die Seelsorge im Hiesfelder Bezirk vornahm, setzte sich Pfarrektor Nienhaus mit ganzer Kraft ein für die in Lohberg entstandene junge Gemeinde und für die dort zu leistende Aufbauarbeit.

Vieles war für die Lohberger Katholiken schon gewonnen; aber gleichwohl war alles noch Notbehelf, mußte doch die Lohnhalle jeden Sonntag, in der Frühe von 6 - ½ 8 Uhr für den Gottesdienst eingerichtet und nachmittags nach der Andacht wieder aufgeräumt werden: Altar, Kommunionbank, Beichtstuhl, Kinderkniebänke, Stühle für die Erwachsenen, Harmonium, Blumen und sonstiger Schmuck usf.. Alle diese Gegenstände konnten untergebracht werden in einem naheliegenden unbenutzten Betriebsführerzimmer, das gleichzeitig als Sakristei diente und in dem während der Woche das Allerheiligste aufbewahrt und Montags in der Stille eine Hl. Messe gelesen wurde.”