clemens august von galen - 22. märz

Der frühere Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen wird selig gesprochen. Die Vollversammlung der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsangelegenheiten hat im so genannten "Wunderprozess" positiv entschieden. Dabei wurde geprüft, ob die Heilung eines 16jährigen Jungen, für den seine Eltern und eine Ordensfrau um die Fürbitte des verstorbenen Bischofs gebetet hatten, medizinisch unerklärlich gewesen ist.

Vorher, im Dezember 2003 wurde der sogenannte Tugendprozeß abgeschlossen. Papst Johannes Paul II. wird in einer öffentlichen Audienz die Seligsprechung in Rom bekannt geben. Man erwartet das kurz vor dem Weihnachtsfest.

Clemens August Graf von Galen wurde am 16. März 1878 auf Burg Dinklage, als elftes von dreizehn Kindern geboren. Wie sein Vater ging er gern auf die Jagd, und mit den Bauern unterhielt er sich gern auf pattdeutsch. „Die Eltern haben es verstanden, uns eine köstliche, fröhliche Jugendzeit im Elternhaus zu verschaffen. Wir Geschwister durften unter den Augen der Eltern ungestört die Freuden des Landlebens genießen", erinnerte sich Clemens August Graf von Galen an seine Jugend.

Mit 26 Jahren wird er zum Priester geweiht. Am 28. Oktober 1933 wurde von Galen nach 23-jähriger Seelsorgertätigkeit in der Reichshauptstadt Berlin und vierjähriger als Pfarrer von St. Lamberti in Münster im Alter von 55 Jahren zum Bischof von Münster geweiht. An der Feier nahmen SA-Formationen teil.

Galens bischöfliches Wirken fällt praktisch mit der Dauer des „Dritten Reiches“ zusammen. Aber an seiner unmissverständlichen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten ließ Bischof Clemens August Graf von Galen schon zu Beginn der zwölfjährigen Nazi-Herrschaft keinen Zweifel aufkommen. clemens august

Der Versuch, den Bischof in einer Großkundgebung zu verleumden und mundtot zu machen, bewirkte kurz darauf genau das Gegenteil: Bei einer Gegen-Kundgebung bezeugten mehr als 20 000 Katholiken dem Bischof auf dem Domplatz ihre uneingeschränkte Solidarität. Immer wieder lenkte von Galen das Augenmerk auf die menschenverachtende Politik der Nazis. Seine geheim vervielfältigten Predigten riefen im Inland und Ausland ein ungeheures Echo hervor.

Hitler wagte nicht, Clemens August Graf von Galen vor ein Kriegsgericht zu stellen und hinrichten zu lassem. auch wenn es solche Pläne gab.

Am 18. März 1939 kam Bischof von Galen zur Firmung nach Lohberg, wo er 246 Jugendlichen das Firmsakrament spendete. Vielleicht haben Sie ja das Firmsakrament bei dieser Gelegenheit vom künftigen Seligen empfangen. 21. Februar 1946 wurde Bischof Clemens August Graf von Galen von Papst Pius XII. in Rom zum Kardinal erhoben. Nur einen Monat später starb er am 22. März 1946. Sein Grab befindet sich im Dom zu Münster.

An diesem Sonntag (Okt. 2005) wird in Rom der vormalige Münsteraner Bischof Clemens August Kardinal von Galen selig gesprochen. Über das Leben dieser bedeutenden Persönlichkeit haben wir in einer anderen Ausgabe des Sonntagsgruß bereits berichtet.

Offensichtlich ist es für den Vatikan eine ganz besondere Seligsprechung. Schon Papst Johannes Paul II sagte in einem Gespräch mit Bischof Reinhard Lettmann, dass ihm die Seligsprechung dieses Kirchenmannes am Herzen liege. Der neue Papst Benedikt hat entschieden, dass er den Seligsprechungsfeiern nicht mehr selbst vorstehen möchte, sondern dies einem Vertreter überläßt. Diesmal macht er aber eine Ausnahme und wird zum Ende des Gottesdienstes, der am Sonntag um 9.30 Uhr beginnt, in den Petersdom kommen, vor der Reliquie des seligen Bischofs Clemens August beten und zu den Gläubigen im Petersdom sprechen.

Die Kirchenzeitung berichtet, dass zur Seligsprechung zwei Reliquiengefäße nach Rom gegeben werden, eines für die Reliquienkammer des Papstes, eines kehrt wieder nach Münster zurück. Seit alter Zeit werden Reliquien der Heiligen und Seligen in den Kirchen aufbewahrt. Über Jahrhunderte wurden diese in ihrer Bedeutung zu wichtig genommen, es gab sogar Kämpfe; Gebeine der Heiligen wurden geraubt oder geschändet; es entfaltete sich ein schwunghafter Handel mit falschen Reliquien.

Heute sind wir im Grunde wieder dort angekommen, wo die Verehrung der „sterblichen Überreste“ der Heiligen ihren Anfang genommen hat. Die ersten Christen versammelten sich in Rom in den Katakomben zum verborgenen Gottesdienst. Dort bestatteten sie auch ihre Toten. Kirchen wurden später meist an Orten erbaut , wo ein Heiliger begraben war, bzw. wurden bedeutende christliche Persönlichkeiten auch in Kirchen beigesetzt. Dieser Brauch will einen Bogen schlagen, vom Gottesdienst der Christen auf der Erde „hinauf“ zum Gottesdienst des Himmels. Die Verstorbenen sind so weiterhin in unserer Gebetsgemeinschaft präsent. Wir glauben an ihr Leben - über den Tod hinaus - und dieser Glaube zeigt sich im Gebet für die Verstorbenen und um die Fürbitte der Seligen und Heiligen, die wir bei Gott im Himmel wissen. So macht es auch weiterhin Sinn, kleine Reliquien in den Ältären der Kirchen beizusetzen. In unserem Altar befinden sich z.B. Gebeine der Hl. Ursula von Köln und des Hl. Viktor von Xanten. Diese beiden Heiligen haben ihre Grabstätten in Köln und in Xanten.

Daß in unserem Altar, in den Altären mancher anderer Kirchen, schließlich auch in der Reliquienkammer des Hl. Vater in Rom kleine Teile ihrer Reliquien aufbewahrt werden stellt in besonderer Weise dar, wie die Gemeinden der Kirche in aller Welt miteinander und zum Himmel hin untereinander verbunden sind.

Eine Reliquie „zweiter Ordnung“ (Gegenstände, die von einem Seligen/Heiligen genutzt wurden) haben wir auch in St. Marien, nämlich die Unterschrift des Kardinals in unseren Kirchenbüchern, die er anläßlich seines Firmbesuchs im Jahre 1939 in Lohberg hinterließ. Sind Sie vielleicht im März '39 von einem Seligen gefirmt worden?
unterschrift