osterkerze

„In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater, nimm an das Abendopfer unseres Lobes, nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe! ... Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.“

So erklingt es in der Osternacht im großen Osterlob der Kirche, dem Exsultet in den Kirchen der ganzen Welt.

In der „Nacht aller Nächte“ des Kirchenjahres wird am Beginn der Liturgie vor der Kirche ein Feuer und an diesem die Osterkerze entzündet. Sie soll einerseits an die Feuersäule erinnern, in welcher Gott dem aus der Knechtschaft in Ägypten fliehendem Volk in der Nacht voranzog und den Weg in die Freiheit wies. Andererseits ist die Osterkerze ein Symbol für Christus.

Früher war es Brauch, den Funken zur Entzündung des Osterfeuers aus einem Stein zu schlagen. So war schon dieser Funke ein Hinweis auf Christus, der aus dem Dunkel seines Felsengrabes als Auferstandener hervorgetreten ist.

Wer der Osterkerze beim Einzug in die Kirche nachgeht, soll an das Wort Christi denken: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Dunklen, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“

Die Symbolkraft der Osterkerze wird verstärkt durch den Brauch, das Kreuz Christi darauf anzubringen und dazu das Alpha und das Omega, den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabetes, in Erinnerung an das Jesuswort: „Ich bin ... der Anfang und das Ende“ . Schließlich schreibt man auf die Kerze auch die jeweilige Jahreszahl, um deutlich zu machen, daß wir Christen in dieser Welt leben und daß wir nicht auf die (glorreiche) Vergangenheit zurückblicken und auch nicht nur auf eine bessere Zukunft hoffen, sondern die Dinge jetzt und heute in die Hand nehmen um unsere Welt zu gestalten.

Zum Schluß werden auf der Kerze fünf „Nägel“ befestigt, als Zeichen für die verklärten Wunden am Leib des auferstandenen Herrn. In anderen Gegenden werden dazu fünf Weihrauchkörner eingedrückt. Wir drücken Weihrauch in die Wachsnägel, bevor sie mit dem feierlichen Gebet des Pastors an der Kerze befestigt werden.

Von der Osterkerze wird das Licht für die Taufkerzen der Täuflinge genommen und auch am Ende des Lebens brennt die Osterkerze im Begräbnisamt.

Das große Lied des Exsultet endet mit dem Wunsch, die Osterkerze möge leuchten, „bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht...“.

Viele Gemeinemitglieder bringen in der Osternacht Kerzen mit, die nach dem Vorbild der großen Osterkerze gestaltet sind und in der Osterzeit in den Wohnungen brennen.