maria begegnet elisabet

01 2007 3“Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du
mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet
ist die Frucht deines Leibes.“

Wohl nur eine Mutter kann nachvollziehen, was da in diesem Moment zwischen den beiden Frauen geschieht. Viel zu wenig aufmerksam werden wir darauf, dass es sich bei dem Kind in Elisabet's Leib um Johannes handelt, den späteren Täufer, dessen Lebensweg ganz eng mit dem von Jesus verwoben sein wird.

Eine sehr sympathische Darstellung dieser Szene findet sich in einem der Kirchenfenster in der Versöhnungskirche in Taizé in Frankreich. Wie auch in unserer Krippenlandschaft begegnen sich in diesem Bild die beiden schwangeren Frauen vor dem Haus. Der Künstler hat die beiden Kinder angedeutet, Johannes kniet, er streckt die Hände zu Jesus hin aus, der ebenfalls offen auf Johannes „zugeht“. Beide sind nicht als Babys, sondern schon wie größere Kinder gezeichnet.

01 2007 2Darin liegt wieder ein Hinweis, dass es hier nicht nur um die persönliche Freude der beiden Frauen über ihr Wiedersehen, über ihre wunderbaren Schwangerschaften geht, sondern dass sich hier Größeres andeutet.

Elisabeth ruft ja auch aus: „Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“, eine eigenartige Begrüßung, waren die beiden Frauen doch miteinander verwandt und Elisabeth sogar die ältere von beiden. Maria stimmt sogleich ein Lobgebet an, ein Gebet in dem sie - in der Art eines Psalms - die ganz großen Taten Gottes preist.

Es ist das Magnifikat, eines der bedeutendsten biblischen Gebete. Maria spürt instinktiv, dass es Gott ist, der an ihr wunderbar handelt und dass dieses Handeln noch weit über das Wunder ihrer Schwangerschaft hinausgehen wird. Gott schafft Gerechtigkeit, er speist die Hungernden und stürzt die Über-Mächtigen von ihren Thronen. Maria fügt sich dabei ein in diesen Lauf der Heilsgeschichte, ohne sich dabei in den Vordergrund zu schieben. Selbstbewußt nimmt sie die Aufgabe an, die Gott ihr zuweist, voller Vertrauen, dass er ihr auch die Kraft dazu schenkt.