karfreitags-klappern

Können Sie eigentlich evangelische von katholischen Glocken unterscheiden? Nun ja, mancher Lohberger wird den Klang der evangelischen Kirchenglocken kennen - und von daher die Aufgabe leicht lösen können. Aber - in einer fremden Stadt? Sie haben recht, das geht nur mit einem Trick, nämlich an Karfreitag und Karsamstag. Dann schweigen nämlich die katholischen Kirchenglocken - was dann noch läutet, muß eine evangelische (oder orthodoxe) Kirche sein.

Die „katholischen“ Glocken schweigen nach dem Gloria der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag und sie erheben ihre „Stimmen“ erst wieder mit dem Gloria der Osternacht. Der Volksmund sagt, sie seien „nach Rom geflogen“. Das Schweigen der Glocken deutet nach Durandus von Mende (1230 – 1296), auf die Flucht und stumme Wortlosigkeit der Apostel hin. Andere erklären dies auch mit einer Art Fastengebot und dem Verzicht auf die schönen und manchmal auch triumphalen Klänge der Glocken (und der Orgel).

Da aber die Liturgie der Kar- und Ostertage auf sehr alten Quellen beruht, ist das eher eine Umdeutung des eigentlichen Grundes. Das Christentum hatte ja lange Zeit Vorbehalte gegen die Verwendung von Glocken, da sie in der Antike ein wichtiger Bestandteil heidnischer Feste waren.

Die Mönchsklöster waren wohl die ersten, die die Glocken zum Zusammenrufen der Mönche zu den Gebetszeiten einsetzten. Dort ersetzten die Glocken die vorher üblichen Schlagbretter oder 'Ratschen', die in orthodoxen Klöstern bis heute verwendet werden (sog. Ximandron). Über diesen Weg fanden die Glocken Eingang in die Liturgie und werden dort zum Anzeigen von Zeiten (Läuten zu Beginn, Wandlungsläuten), zum Gebetsaufruf (Angelusläuten) und zum Zusammenrufen der Menschen zu den Gottesdiensten verwendet.

Musik und so auch das Glockenläuten ist natürlich auch Ausdruck der Freude am Glauben. In der Liturgiegeschichte kann man jedoch eine Scheu beobachten, an zentralen Stellen der Gottesdienst-Feier etwas zu verändern. Man behielt daher in der Liturgie der Karwoche alte und uralte Formen bei, die an anderen Stellen des Kirchenjahres längst ersetzt waren.

So hat man auch den ursprünglichen Brauch des Zusammenrufens durch hölzerne „Instrumente“ weiterleben lassen. Wie viele anderer dieser frühen Formen ist auch das Schlagen auf Holzbretter oder in mechanisierter Form das 'Ratschen' als Ausdruck der Trauer gedeutet worden. Die Enthaltsamkeit von den Glocken weist auch auf die Bedeutung der Kar- und Ostertage hin und kann so beim erneuten Erklingen der Glocken zur Freude der Osternacht beitragen.