karneval - weitere betrachtungen

Für viele Menschen ist es der Höhepunkt des ganzen Jahres: Mit aller Lust und Laune feiern sie in diesen Tagen in der "fünften Jahreszeit" Karneval.

Das bunte Treiben hat enge Verbindung mit der christlichen Bußpraxis: Es ist eine "längere Zeit gesteigerten Lebensgenusses" vor der katholischen Fastenzeit. Die Reformatoren dagegen hatten das vorösterliche Fasten abgeschafft und wollten daher auch nicht das vorangehende "äußerst unfromme Spektakel" dulden, wie Martin Luther es bezeichnete. Die Katholiken hingegen hielten an der inneren Verbindung zwischen Fastnacht und Christentum fest. Das zeigen noch heute zahlreiche Feiern in den Kirchengemeinden, wie der Frauenkarneval in St. Marien und der Kinderkarneval im Jugendheim. Vor Jahren gab es sogar einen Lohberger Umzug, den unser Jugendheim organisiert hatte. Papst Sixtus IV. (1471-1484) ließ sogar die Gehälter der Universitäts-Theologen mit drei Prozent besteuern, um Karnevalsfeiern zu finanzieren. Auch Papst Benedikt XIV. (1740-1758) lehnte es ab, den Karneval zu verbieten.

Variantenreich ist die Herleitung des Wortes Karneval: "Domenica ante carnes tollendas" nannte die Kirche früher den "Sonntag vor der Fleischenthaltung". Die italienische Kurzfassung davon ist "carne vale" und bedeutet "Fleisch lebe wohl". Das Lateinische "carrus navalis" meint übersetzt einen Schiffskarren: Nach alten Sagen fährt die Frühlingsgöttin durch die Lüfte und auf dem Wasser und lässt den Frühling beginnen. Gastmähler, Trinkgelage, Reiterspiele und Tänzereien gehörten im 13. und 14. Jahrhundert zu den Fastnachtsbräuchen.

Im Spätmittelalter kamen Maskenumzüge hinzu. Bedeutend für die Entwicklung des närrischen Treibens war, dass die Kirche selbst - besonders in Klöstern - das "carnelevamen", die "Fleischwegnahme", zuvor mit Festmählern und Unterhaltungen beging. Die Geistlichkeit billigte so den Wunsch der Laien nach "leiblichen Genüssen" vor der harten Fastenzeit und unterstützte die Entfaltung des Festes. Einfluss übte auch der venezianische Karneval aus: In der Barockzeit fanden an den Fürstenhöfen prunkvolle Kostümfeste statt.

Aus dem Italienischen wurde schließlich im 17. Jahrhundert die Bezeichnung "Karneval" übernommen. (Der Dienstag wird vielfach auch "Fastnacht" genannt - die Nacht vor dem Fasten, in anderen Regionen heißt der Karneval daher überhaupt so.)

Mit öffentlichen Feiern, mit Tanz, Spiel, Verkleidungen und Umzügen setzt der Narr in der Karnevalszeit die bestehende Ordnung außer Kraft und verspottet sie. Darauf deuten der Elferrat als "Gegenregierung" und die Übergabe der Rathausschlüssel. In satirischen Formen leisteten seit jeher die Karnevalisten Widerstand oder nahmen den Alltag "des kleinen Mannes von der Straße" aufs Korn. Im 15. Jahrhundert richtete sich etwa der Spott gegen kirchliche Institutionen, und die Bürger verlachten die Bauern. Im 19. Jahrhundert verhöhnten die Jecken die französischen Besatzer im Westen Deutschlands. Und so gehören noch heute zeitkritische Elemente zu Prunksitzungen und Rosenmontagsumzügen.

(Zusammengestellt mit Informationen von www.kirchensite.de )