hl. benedikt von nursia - 11. juli

Sie haben sicherlich den großen Streit der europäischen Politiker verfolgt (Frühjahr/Sommer 2003), wo es darum geht, ob ein Bezug auf das christliche Erbe Europas auch in die neue europäische Verfassung gehört.

Es ist schon eine Art von Geschichtsvergessenheit, wenn viele Politiker dagegen votieren.

Ein gutes Beispiel ist der Hl. Benedikt, Patron Europas, dessen Fest am Freitag, 11. Juli 2003 begangen wird. Ohne ihn und seine Benediktinermönche und Klöster wäre Europa heute nicht so wie es ist. Benedikt wurde im Jahre 480 mit mit seiner Zwillingsschwester Scholastika als Sohn einer vornehmen Familie geboren und schon als Knabe nach Rom zur Ausbildung geschickt. Entsetzt vom Leben in der Stadt, das von Verfall gekennzeichnet war, schloß sich Benedikt einer Mönchsgemeinschaft an. Bald zog er in eine unbewohnte Gegend, wo er drei Jahre völlig einsam in einer Höhle lebte. Täglich ließ ein Mönch Romanus aus einem benachbarten Kloster an einem Seil ein Brot herab. Sein Ruf als Heiliger wuchs, viele Menschen kamen, um ihn zu sehen. Für seine wachsende Schülerschar gründete er ein Dutzend kleine Klöster mit je zwölf Mönchen - einige davon bestehen bis heute - und entwickelte Regeln für ein gemeinschaftliches Klosterleben.

Dann gründete er das berühmte Kloster von Montecassino bei Cassino, wo er 529 selbst einzog. Hier schrieb er seine berühmte „Regula Benedicti“, die grundlegende Lebensregel aller sich von da aus über das ganze Abendland ausbreitenden Klöster des Benediktinerordens mit dem Wahlspruch "Ora et labora", "bete und arbeite". Diese Regel hat das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt. Den Mönchen war jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden. Gebet und Arbeit, dazu der Gehorsam: das waren und das sind bis heute die tragenden Säulen des Mönchslebens der Benediktiner.

Die Gastfreundschaft der Klöster hob den Unterschied zwischen "zivilisierten" Römern und "barbarischen" Germanen auf. Benedikts Regel wurde wurde zum Modell einer zukünftigen Gesellschaft: nachdem nicht nur die Römer und Griechen, sondern auch die Germanen getauft waren, sollten die Menschen brüderlich miteinander umgehen und zusammen leben - das Kloster war ein Modell dafür.

Einen großen Teil seiner Zeit widmete Benedikt den Nöten der einheimischen Bevölkerung, er verteilte Almosen und Nahrung an die Armen. Auch Heilungen und Totenerweckungen werden berichtet. Benedikt starb am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Klosterkirche Montecassino; seine Brüder sahen, wie er von Engeln auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße gen Himmel getragen wurde.

Seine Klöster waren - und sind es bis heute - Zentren der Bildung und der Gastfreundschaft. Ohne den Einfluß der Benediktinerklöster (und der Klöster überhaupt) wäre Europa heute nicht das, was es ist. Viele wissenschaftliche Disziplinen bauen auf der Arbeit der Klöster von damals auf, besonders in der Philosophie, der Theologie und der Medizin.