Antonius der Große

Der Hl. Antonius war für mich als Kind eine der eindrucksvollsten Heiligenfiguren. In ein Mönchsgewand gehüllt, mit Kapuze und langem Bart - schon eine eindrucksvolle Erscheinung ! Sein Attribut ist ein Schwein, was ihn etwas geheimnisvoll machte. Der Heiligenkalender weist ihn auch als Schutzpatron dieser Tiere aus, was ihn den westfälischen Bauern bestimmt so sympathisch machte. Er hieß daher „Swinetüns“.

Antonius wurde im Jahre 250 als Sohn reicher christlicher Eltern geboren. Ein Satz im Matthäusevangelium veränderte sein Leben: „Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gibt es den Armen.“ Er verkaufte seinen gesamten Besitz und wurde Einsiedler in radikaler Armut und zunehmender Abgeschiedenheit. Die Schweine, mit denen er dargestellt wird, stehen für die Versuchungen, die er nach Auskunft seiner Legende zu bestehen hatte.

Die Menschen seiner Zeit verehrten ihn so leidenschaftlich, daß er in die Wüste Ägyptens floh. Zwanzig Jahre später kehrte ein äußerlich unveränderter, dennoch völlig verwandelter Antonius zurück, jemand "der in tiefe Geheimnisse eingeweiht und gotterfüllt" war. Immer mehr Jünger sammelten sich nun um ihn, es bildeten sich kleine Klöster und Einsiedeleien.

Somit stand Antonius am Anfang des Mönchtums und Klosterwesens und wird "Vater des Mönchtums" genannt. Die von ihm geprägte Form des Mönchtums beruht auf Askese und Zurückgezogenheit, sie steht im Gegensatz zur Regel des Hl. Benedikt.

Das Leben des Antonius ist in zahlreichen „farbigen“ Legenden geschildert. Im Alter von 90 Jahren bewegte ihn ein Traum, den 110 Jahre alten Einsiedler Paulus von Theben aufzusuchen. Ein Wolf führte ihn durch die Wüste zu ihm, dem der Rabe an diesem Tage zwei Brote statt des gewohnten einen brachte. Auch dessen Tod wurde Antonius später durch eine Vision kund: er fand den Entschlafenen in betender Haltung und bestattete ihn mit Hilfe zweier Löwen, die das Grab scharrten.

Sein Leben in Einsamkeit und Abgeschiedenheit hatte Antonius weder menschenscheu noch unpolitisch gemacht. Mehrfach verließ er seine Einsiedelei. Um 311 stand er den von Kaiser Maximinus verfolgten Christen in Alexandria bei. Er setzte sich für Arme und Gefangene ein, stand ständig mit Kaiser Konstantin in Briefkontakt. In Briefen an dessen Sohn und Nachfolger versuchte er, diesem die Unterstützung einer Irrlehre auszureden. Antonius soll 105 Jahre alt geworden sein. Als seine Jünger ihn begruben, wurden Engel um ihn stehend gesehen.

Er wird in der westlichen und östlichen Kirche sehr verehrt. In Rom feiert man, beginnend mit seinem Gedenktag am 17. Januar, jährlich ein einwöchiges Fest der Weihe der Haustiere vor der Antoniuskirche.

Antonius und “sein” Schwein

Leider haben wir in unserer Kirche keine Figur des Hl. Antonius (Abt), so dass in St. Marien die Darstellung eines Schweines völlig fehlt.

Auch an der Krippe ist nur Platz für Ochs und Esel und natürlich für die Schafe. Kein Wunder, galt doch zur Zeit Jesu ein Schwein als „unrein“. Die Hl. Schrift der Juden verbietet den Verzehr der Schweine, ein Gebot, an das sich Juden (und Muslime) bis heute halten. Im Buch Levitikus wird dies so begründet, dass man alle Tiere essen dürfe, die gespaltene Hufe haben und wiederkäuen (was das Schwein nicht tut). Wahrscheinlich ging es bei diesen Speisegeboten darum, zu Ehren Gottes auf etwas zu verzichten. Es sind daher eher Fastengebote.

Dennoch berichtet das Evangelium von diesen Tieren. Als Jesus im Gebiet des (halb heidnischen Ostjordanlandes, u.a. die heutigen Golanhöhen) einem Mann die Dämonen austrieb, fuhren diese in eine Schweineherde. Die armen Tiere stürzten sich in den See und ertranken. Viele Bibelausleger entdecken hierin eine Spitze gegen die römischen Besatzer, unter deren direkter Regierungsgewalt dieses Gebiet stand. Dort wurden auch Schweine gezüchtet, die für den Verzehr durch die römischen Soldaten und Beamten bestimmt waren.

Vertraut ist auch die Geschichte vom verloren Sohn, der sein Leben als „Schweinehirt“ fristen mußte, ein verächtlicherer Beruf war offensichtlich kaum denkbar.

Schweine gelten in vielen Kulturen als „unreine“ Tiere. Das aber wohl nur daher, weil Schweine sich im Dreck wälzen, um sich gegen Sonneneinstrahlung und Insekten zu schützen. Wertschätzung - auch als „Braten“ fand das Schwein wieder, als die Heiden zu den judenchristlichen Gemeinden hinzustießen.

Als Attribut des Hl. Antonius war es ursprünglich als „dämonisches“ Tier gedacht. Die Bauern, die diese Darstellung in ihrer Kirche entdeckten, erkoren ihn zu einer Art „Schutzpatron“. Das Schwein zu seinen Füßen wechselte den Charakter und verlor seine dämonische Bedeutung. Schweinespeck galt im Mittelalter als Heilmittel gegen das „Antoniusfeuer“, die Blatterrose. In dieser Zeit gab es auch die Antoniusschweine, die eine Glocke trugen und überall in den Dörfern weiden und Abfälle vertilgen durften. Überhaupt galt das Tier in alten Kulturen als Symbol der Fruchtbarkeit und des Wohlstandes.

Zum modernen Glückssymbol ist das Schwein vormutlich erst spät geworden. Das geht auf die alte Sitte zurück, wie Wettbewerben dem Letztplazierten ein Schwein als Trostpreis zu überreichen. Beliebt ist das Tier in der Landwirtschaft, weil es recht einfach zu halten und zu mästen ist und durch seine große Fruchtbarkeit hohe „Erträge“ verspricht. In der christlichen Kunst wird es in der Regel als Symbol für Gefräßigkeit, Unmäßigkeit und Unwissenheit verwendet. Albrecht Dürer verwendet in einer Krippendarstellung statt Ochs und Esel Löwe und Eber. Für ihn - wegen ihrer ungestümen Kraft und Stärke - Symboltiere für Erneuerung und Erlösung.