adventskranz

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...“

Am ersten Advent ist „Jahreswechsel“ in der Kirche, denn dieser Tag ist der “Neujahrstag” des Kirchenjahres. Das mit diesem Tag ein neues Kirchenjahr beginnt, ist auch logisch. Wenn im Laufe des Jahreskreises der ganzen Heilsgeschichte gedacht wird, muss dieses Gedenken auch in der Vorbereitungszeit auf die Geburt des Herrn beginnen.

Im Advent schmücken sich die Häuser und auch die Kirchen und besondere Elemente tauchen im Kirchenraum auf, die ansonsten nicht zu sehen sind. Daher liegt es nahe, wenn wir uns diesen Besonderheiten im Kirchenraum widmen.

Unübersehbar und unverzichtbar ist der Adventskranz. Sonntag für Sonntag wird hier ein weiteres Licht entzündet, so daß es im Kirchenraum - auf die Geburt des Erlösers zu - immer heller wird. Diese Symbolik erinnert an das Wort des Propheten Jesaja „Das Volk, das im Finstern wandert sieht ein helles Licht.“ Während draußen in der Natur die Tage immer kürzer und es auf Weihnachten zu immer dunkler wird, soll es in unseren Seelen langsam heller werden, bis wir das helle Weihnachtslicht beim Fest selbst erfahren (symbolisch dargestellt im Licht des Weihnachtsbaumes).

adventskranzInteressant ist, daß der Adventskranz eine ziemlich neue Erfindung ist (ca. 150 Jahre alt). Erdacht hat ihn der Begründer der Diakonie und Leiter des ev. „Rauhen Hauses“ in Hamburg, Pastor Johann Hinrich Wichern. Er wollte den Jugendlichen in dieser Einrichtung ein wenig Licht und Freude schenken und so durften an seinem Adventskranz täglich eine Kerze entzündet werden, bis Weihnachten 19 kleine rote Werktags- und vier große weiße Sonntagskerzen. Aus diesem „Ur-Adventskranz“ entwickelte sich unser Kranz mit vier Wochenkerzen.

Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde er zu einem allgemeinen Brauch. In der katholischen Silvester-Kirche in Schwabing wurde der erste Kranz mit vier Kerzen im Jahre 1937 aufgehängt. Allgemein setzte er sich erst nach 1945 durch.

Der Kranz erinnerte bei Pastor Wichern an die runden Deckenleuchter romanischer Kirchen. Er selbst dürfte daher keine eigene symbolische Bedeutung haben. Er ist einfach Unterlage für die Kerzen, Träger für das Licht.

Da er meist aus immergrünem Tannengrün geflochten wird, verweist er darauf, dass auch in der Kälte und Erstarrung des Winters Leben vorhanden ist, dass auch im (scheinbaren) Tod das Leben auf Auferstehung hoffen darf.

Der Kranz als Ring ist ursprünglich ein heidnisches Symbol. So hat man im alten magisch-heidnischen Verständnis Ringe um die Häuser gezogen, um alles Böse und Widerwärtige abzuhalten und das Glück im Haus zu behalten. Der Kranz wurde so zu einem Sinnbild des Segens für den Menschen. Das Gebinde aus immergrünen Zweigen steht für das ewige, unvergängliche Leben.

Das Segnungsbuch der katholichen Kirche beschreibt den Adventskranz als Bild für die Ewigkeit und Gott. Die vier Kerzen stehen für die Adventstage und weisen auf das Licht hin, das der Menschheit an Weihnachten mit der Geburt Christi geschenkt wird.