kirchenbänke

Wer in Regionen reist, wo es neben den katholischen auch viele lutherische Kirchen gibt (z.B. in Norddeutschland) wird sich manchmal fragen, zu welcher Konfession die jeweilige Kirche nun gehört. Neben dem „ewigen Licht“ ist das auBaenkeffälligste Zeichen einer katholischen Kirche die Kniebank. Kniebänke kennen ansonsten weder orthodoxe noch evangelische Kirchen. Die orthodoxen Christen knien auf dem Boden, die evangelischen Christen lehnen das Knien als Gebetshaltung ganz ab.

Unsere Marienkirche hat drei Generationen von Bänken erlebt. Zunächst gab es schlichte Sitzgelegenheiten ohne Kniebank im vorderen Teil der Kirche (wohl für die Kinder), hinten waren es richtige Kirchenbänke.

Später gab es Kirchenbänke im ganzen Kirchenschiff.

Unsere heutigen Bänke wurden im Rahmen der Kirchenrenovierung der 60er Jahre durch Pfarrer Polders angeschafft.

Innen-1Die besondere „katholische“ Variante der Kirchenbänke hat ihren Ursprung in den Gebetshaltungen des Stehens, Kniens und Sitzens. Alles mußte in diesen Bänken (bequem) möglich sein.

Die Grundhaltung im christlichen Gottesdienst ist von jeher das Stehen. Der Priester steht am Altar, die Gläubigen umgeben ihn. Wenn ich einen anderen Menschen begrüße stehte ich häufig auf, als Zeichen, daß ich mich ihm zuwende und ihm besonders Beachtung schenke.

Im Stehen bin ich auch wachsamer und bereiter zum Hören und auch zur Tat. Daher stehen wir im Gottesdienst wenn gebetet oder aus dem Evangelium gelesen wird. In einem Hochgebet heißt es „...wir danken dir, dass du uns berufen hast vor dir zu stehen und dir zu dienen“. Die ersten Christen waren stolz darauf, daß sie vor ihrem Gott stehen durften.

BankIn anderen antiken Religionen kam es in der Beziehung zu Gott häufig auf Unterwerfung an, was im knien, zu Boden werfen und „buckeln“ seinen Ausdruck fand. Darin spiegelten sich die Ausdrucksformen am Hofe der antiken Herrscher. Christen und Juden hingegen dürfen vor Gott aufrecht stehen, denn wir glauben, daß Gott uns nicht als Untertanen haben will, sondern als freudige und „auf-richtige“ Freunde.

Das Sitzen hingegen dient der zwischenzeitlichen Entspannung, weil viele Menschen nicht mehr so lange stehen können. Trotzdem ist es eine zwar entspannte aber doch hellwache Haltung. Im Gottesdienst sitzen wir während der Lesung, der Predigt und im stillen, persönlichen Gebet.

Das Knien schließlich hat nichts mit „Buckeln“ zu tun. Wenn wir vor Gott in die Knie gehen, erinnern wir uns daran, wie klein wir Menschen vor ihm sind und wie groß und mächtig Gott ist. Auch Knien ist eine ausgesprochen stolze Haltung, denken Sie nur an das Knien eines Edelmannes, der vom König zum Ritter geschlagen wird. Knien ist die Gebetshaltung der Ehrfurcht z.B. während des Hochgebetes, wenn Gott uns ganz nahe kommt.