|
Hinten in der Kirche befindet sich - wenig auffällig - eine Figur des Heiligen
Antonius von Padua. Antonius hält uns das Christuskind entgegen, eine Geste, die in den Weihnachtstagen besonders nachdenklich macht.
Der heilige Franziskus, der ihn zum Lektor der Theologie an der Universität von
Bolgogna ernannte (sie kannten sich persönlich) hatte ja eine besonders innige Beziehung zum Kind in der Krippe.
Die Darstellung des Heiligen Antonius mit dem Christuskind auf dem Arm soll auf
dessen innige Liebe zu Christus und Maria hinweisen.
Als Fernandez Martin de Bulhorn wurde der spätere Antonius in Lissabon als Sohn
einer begüterten Adelsfamilie geboren. Mit 16 Jahren wurde er Augustinermönch. Als im Jahre 1220 fünf in Marokko ermordete Franziskaner - Missionare in Coimbra
(wo Antonius studierte) beigesetzt wurden, erschütterte ihn das so, daß er sogleich dem Orden des Hl. Franz, den Minderbrüdern beitrat und den Namen
Antonius annahm. Bald ging er selbst nach Marokko, wurde aber durch Krankheit zur Heimkehr gezwungen, wobei ein Sturm ihn nach Sizilien verschlug.
So nahm er 1221 in Assisi am Generalkapitel seines Ordens teil, dabei wurde seine Begabung als Redner entdeckt. Man beauftragte ihn, unter den Bewegungen
der Katharer und Waldenser zu missionieren und diese zum katholischen Glauben zurückzuführen. Seine franziskanische Armut verlieh seinen Reden Glaubwürdigkeit, seine enorme Bibelvertrautheit
verschaffte ihm Bewunderung.
Zu den bekanntesten seiner Legenden gehört die Predigt am Ufer von Rimini: die Einwohner wollten ihn
nicht hören, aber die Fische versammelten sich und streckten ihre Köpfe aus dem Wasser; dieses Wunder habe fast die ganze Bevölkerung der Stadt bekehrt. Als
jemand die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie bezweifelte, ließ Antonius einen Maulesel bringen, der drei Tage nichts zu Fressen bekommen hatte;
das Tier fiel, ohne das gereichte Futter zu berühren, vor Antonius nieder, weil der ihm mit der Hostie entgegentrat.
1230 legte er, entkräftet von den anstrengenden Reisen, seine Ämter nieder, und lebte auf einem Nussbaum (!
) bei Padua. ...Antonius' Fastenpredigten in Padua 1231 hatten sensationellen Erfolg, keine Kirche war groß
genug, er musste ins Freie ausweichen. Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen
, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, Dirnen kehrten ins ehrbare Leben zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.
Wohl daher stammt sein Ruf als Wohltäter der Armen. Seit langer Zeit gibt es den Brauch an der Antoniusfigur einen „Opferstock“ anzubringen, für das sog.
„Antoniusbrot“. Mit dem Geld wurden und werden bis heute durch die Caritas in St. Marien arme Menschen unterstützt. Auch unsere Figur trägt als Zeichen dafür einen kleinen Brotlaib in der Hand. Christus auf dem Arm des
Heiligen segnet mit der rechten Hand und trägt in der linken Hand einen Korb, was an die Brotvermehrung erinnern könnte, bei der der Überfluß in Körben gesammelt wird.
Wohl eine Einladung an den Betrachter von seinem eigenen Überfluß denen abzugeben, die wenig besitzen. Antonius starb 1231 bei Padua, wurde dort beigesetzt und schon
nach einem Jahr heilig gesprochen. An seinem Grab geschahen zahlreiche Wunder.
So wird er als Helfer in vielen Nöten angerufen. Ich erinnere mich noch gut, daß meine Oma immer zum Hl.
Antonius betete, wenn sie etwas verloren hatte. Man traute ihm vieles zu.
Die fast einen Meter hohe Eichenholzfigur des Heiligen hatte Pastor Polders 1964 in Krefeld von Heiner Brey
liefern lassen. Gespendet wurde sie von einem Gemeindemitglied. Die Figur ersetzte eine ältere Darstellung des Antonius im Nazarenerstil, die leider den Holzwürmern zum Opfer fiel.
|