priestersitz

Der nachfolgende Artikel bezieht sich auf den bisherigen Priestersitz, der bei der letzten Renovierung der Marienkirche gegen einen hölzernen Priestersitz ausgetauscht wurde:

Aus dem gleichen Stein gehauen wie unser Altar, steht in unserem Altarraum ein schwerer, steinerner Sitz unverrückbar (über eine Tonne) auf einem kleinen Podest; der Priestersitz.

Der Bildhauer Herbert Daubenspeck aus Emsdetten wollte durch die Verwendung des Muschelkalks für Altar und Priestersitz die enge Verbindung zwischen Priester und Eucharistiefeier deutlich machen.

Das ist nicht ganz logisch, denn der Priester nutzt diesen Platz eher zu Zeiten des persönlichen Gebetes, der Stille und Besinnung, beim Hören auf das Wort Gottes und bei der Eröffnung des Gottesdienstes, also bei weniger priesterlichen Handlungen.

Nur in wenigen Kirchen gibt es einen so hervorgehobenen Priestersitz wie bei uns. In der Regel ist der Platz des Priesters ein Stuhl / Hocker neben anderen, vielleicht gar nicht oder nur durch eine kleine Lehne hervorgehoben. Darin zeigt sich vielleicht auch das Unbehagen vieler Priester, einen herausgehobenen Platz einzunehmen.

Die Wurzeln des Priestersitzes liegen in der sogenannten Kathedra der Bischöfe, dem „Lehrstuhl“, von dem aus der Bischof nach alter liturgischer Ordnung das Wort Gottes verkündet. In vielen Bischofskirchen fällt dieser kunstvolle, thronartige Sessel unter dem Bischofswappen auf.

Manchmal steht dieser Sitz in Altarnähe, oft aber auch in gerader Linie hinter dem Altar an der Stirnwand des Chores (sofern dort kein Hochaltar seinen Platz hat). Daher sollte auch der Platz des Priesters nach kirchlicher Ordnung in unserer Kirche eigentlich dort stehen, wo der Tabernakel ist. Und so war es zuerst auch geplant. Pastor Polders verwarf diese Lösung aber, da er sich nicht am (bisherigen) Platz des „Herrgotts“ hinsetzen wollte.

Mancher Priester wäre hinter dem Altar dann gar nicht mehr zu sehen und weit weg von der Gemeinde, mit der er den Gottesdienst feiert.

In der Klosterkirche der Benediktiner in Meschede, im „Königsmünster“ steht der Abtsthron als Priestersitz. Dort ist in der Rückenlehne eine Christus - Ikone eingelassen, ein Zeichen dafür, daß es in Wahrheit Christus selbst ist, der mit uns Gottesdienst feiert. Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter uns gegenwärtig, auch in der Person des Priesters, dem Evangelium und den Gestalten von Brot und Wein.